Was für ein Jahr!

29 Dezember 2016

Es ist fast geschafft: Noch gut zwei Tage, dann ist 2016 Geschichte. Gut so, werden viele sagen. Nicht nur, dass dieses Jahr eine schier unglaubliche Zahl von großen und beliebten Musikern und Künstlern gestorben sind (angefangen mit David Bowie gleich im Januar über Roger Cicero, Prince, Bud Spencer und viele andere bis hin zu George Michael und Carrie Fisher noch auf den letzten Metern vor dem Jahreswechsel). 2016 dürfte auch als ein historisch weichenstellendes Jahr in den Annalen verzeichnet werden: Während in Russland und der Türkei ja schon seit Längerem rücksichtslose, größenwahnsinnige Despoten an der Macht sind, haben es die Amerikaner nun geschafft, ebenfalls einen offensichtlich strohdummen, narzisstischen, großmäuligen John Wayne-Verschnitt zum Präsidenten zu wählen, der prompt davon schwadroniert, die Atomwaffenvorräte der USA prüfen und auf den neuesten Stand bringen zu wollen... Da kann einem Angst und Bange werden. Dazu kommt die immer größer werdende, immer näher rückende Bedrohung des islamistischen Terrors, gepaart mit einer unentschlossenen Flüchtlingspolitik. Eine gefährliche Gemengelage, die (wie leider nur allzu deutlich zu beobachten ist) dem rechten Abschaum wieder neue Munition für ihre Hasstiraden liefert. Wie schafft man es, den Flüchtlingen, für die in ihren Heimatländern Terrorakte wie der auf dem Berliner Weihnachtsmarkt nicht schrekliche Ausnahme, sondern trauriger Alltag sind, die Hilfe zukommen zu lassen, die wir ihnen als reiche Wirtschaftsnation verdammt nochmal schuldig sind, und gleichzeitig die schwarzen Schafe auszusieben, die perfiden terroristischen Verbrecher, die die Flüchtlingsströme für ihr eigenes Eindringen in Europa nutzen? Fragen, die noch immer nicht beantwortet sind und die in den nächsten Jahren (oder Monaten!) immer drängender werden dürften. Angesichts dieser Entwicklung in diesem unseren Lande und in der ganzen Welt kann man wirklich nur froh und dankbar sein, solange man noch gesund ist und mit seinen Lieben ein friedliches, ruhiges Weihnachtsfest feiern darf...
Und sonst? Beruflich war 2016 ein Schritt nach vorne. Die Uraufführung des neuen Musiktheaters "Friedelinds Wahnfried" (Text: Dirk Schattner) am Originalschauplatz in der Villa Wahnfried in Bayreuth war ein besonderes Erlebnis. Auch wenn die lokale Presse und die Wagner-Jünger unser Stück nicht gerade freundlich aufgenommen haben, bin ich doch für diese Erfahrung mehr als dankbar - wir haben ein tolles Stück auf die Beine gestellt, mit dem wir vielleicht nicht die Kulturelite erreichen konnten, aber andererseits Leute begeistern konnten, die sonst nie einen Fuß in ein Theater oder ein Opernhaus setzen. Das ist für mich viel mehr wert als jede Anerkennung seitens Scheuklappen tragender Hochkultur-Apostel. Ich habe schließlich auch mal klassisch studiert und weiß, wie kontaktscheu (und auf groteske Weise unwissend) sich die Hüter des heiligen Klassik-Grals oft gegenüber allen Werken der Unterhaltungsmusik oder gar solchen, die versuchen, diese schwachsinnigen Schubladen zu sprengen, gegenüber gerieren. In diesem Sinne ist das Bayreuth-Abenteuer für mich ein voller Erfolg, auch wenn wir noch nicht wissen, wohin uns die Reise dieses Stücks führt. Immerhin arbeiten wir parallel an drei (!) weiteren Projekten. Für eines haben wir aufgrund einer nahenden Wettbewerbs-Deadline gerade zwischen den Jahren noch intensiv gearbeitet und ich habe in den letzten Tagen ein paar Demos aufgenommen. Ich bin froh, in Dirk Schattner einen Partner gefunden zu haben, mit dem ich meine Vorstellung eines gleichsam unterhaltenden und anspruchsvollen Musiktheaters (welchen Gattungsbegriff man da nun auch immer draufkleben mag) weiterverfolgen kann. Auch die anderen Seiten meiens Berufs haben sich dieses Jahr schön weiterentwickelt: Nicht nur aufgrund der erfolgreichen "Merci Chérie"-Show, die wir nächstes Jahr auf großer Deutschland-Tournee fortführen, hat sich die Frequenz meiner Live-Auftritte erhöht. Das macht mir große Freude und ist ein wichtiger Gegenpol zur reinen Schreibtischarbeit als Arrangeur. Besonders freue ich mich, dass ich nach jahrelanger ausschließlicher Konzerttätigkeit am KatiElli-Theater in Datteln endlich mal wieder an einer Theaterproduktion mitwirken durfte, zumal sich die schrille Musicalkomödie "Festgepoppt" auch noch als waschechter Hit entpuppt hat. So darf es 2017 ruhig weitergehen - wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann, dass ich etwas mehr Zeit für meine eigene Musik habe, statt diese immer nur an eigentlich freien Tagen (oder in Nachtschichten) pflegen zu können. Aber das ist Klagen auf hohem Niveau: Unsere Branche, dieser seltsame Beruf, den ich mir nunmal ausgesucht habe (nein, falsch - er hat mich ausgesucht), sind kein Zuckerschlecken, und ich kann mich glücklich schätzen, mit über einjähriger Vorlaufzeit Planungssicherheit für meine Familie und mich zu haben.
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern dieser Seite alles erdenklich Gute für das kommende Jahr 2017: Glück, Erfolg, Gesundheit und - im Moment vielleicht der wichtigste Wunsch von allen - Frieden!

Frohe Weihnachten

25 Dezember 2016

Liebe Besucher dieser Website, liebe Leser dieses Blogs, ich wünsche Euch allen und Euren Familien ein besinnliches, schönes und vor allem friedliches Weihnachtsfest! In dieser merkwürdigen Zeit, in der Katastrophenmeldungen mehr und mehr die Nachrichten dominieren, die Angst vor Terror immer weiter um sich greift und Hass, Intoleranz, Respektlosigkeit und fehlende Empathie nicht nur unsere Gesellschaft, sondern die ganze Welt vergiften, erscheint es mir umso wichtiger, sich für ein paar Tage auf das zu besinnen, was zählt: Die eigene Familie, Freunde, liebe Menschen - und nicht zuletzt das Zur-Ruhe-Kommen, Zeit für sich selbst finden, die für das Finden und Erhalten des inneren Friedens und Gleichgewichts so wichtig ist. So halte ich es, während man (gerade auch in den sozialen Netzwerken) plötzlich allüberall wieder verstärkt inmitten all des säkularen Festtagstrubels die christliche Botschaft "Fürchtet Euch nicht!" vernimmt (eine direkte Reaktion auf die islamistische Bedrohung?), als Atheist (am Weihnachtstermin wurde ja schon lange vor der Vereinnahmung durch die Kirche ein heidnisches Fest gefeiert) dann eher mit den guten alten Hippies: Love and Peace! Wobei sich darauf ja eigentlich alle halbwegs vernünftigen Menschen (jaja, ein Oxymoron...) gleich welcher Glaubensrichtung einigen können sollten.

Was wichtig ist...

20 Dezember 2016

Udo Jürgens möge mir verzeihen, dass ich den Titel seines so wichtigen Chansons für diesen Blogpost ausleihe. Die Ereignisse von gestern Abend haben mir mal wieder gezeigt, wie sich im alltäglichen Stress die Perspektive, der Fokus für das, was wirklich zählt, verschiebt: Da komme ich nach einer mediokren Probe, inmitten einer unschön stressigen Zeit, die (mal wieder) keinen Raum lässt für vorweihnachtliche Besinnlichkeit, sondern dank diverser einzuhaltender Deadlines für ein erhöhtes Arbeitsaufkommen bis zum letzten Tag vor dem Fest sorgt, nach Hause - und höre in den Nachrichten von den schrecklichen Ereignissen in Berlin. Mittlerweile sieht es ja ganz so aus, als habe es sich wirklich um einen terroristischen Anschlag gehandelt. Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis die islamistischen Verbrecher sich auch Ziele in Deutschland suchen. Was mich aber mindestens genauso krank macht, ist die Tatsache, dass natürlich wieder die rechten Schlechten die Tragödie für sich instrumentalisieren, um ihre widerliche politische Ideologie durchzudrücken. Sie sind damit nicht besser als die verblendeten religiösen Fanatiker, die in ihrem fehlgeleiteten Hass meinen, sie tun ihrem Gott einen Gefallen, indem sie unschuldige Menschen in den Tod reißen oder aufs Schwerste verletzen. Und das in einem Land, das ihnen mit Toleranz und viel mehr Freiheiten begegnet (richtig so), als es umgekehrt in vielen islamisch geprägten Ländern für christliche Minderheiten der Fall ist, wie die jüngsten Vorkommnisse in der Türkei (Stichwort Weihnachtsverbot) zeigen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wo das alles noch hinführt. Wir sollten uns jedoch alle darauf besinnen, was im Leben wirklich wichtig ist: Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Friede, Respekt, Toleranz - und, ja, Liebe. Liebe ist stärker als der Hass, glaube und hoffe ich immer noch. Wie sang schon John Lennon: "Imagine there's no countries / It isn't hard to do / Nothing to kill or die for / And no religion too..." Ach, John.

Was für eine Woche...

11 November 2016

Eigentlich hatte ich mir für diese Woche einen ganz anderen Blogpost zu schreiben vorgenommen, einen, der sich mit meinem kürzlichen London-Trip und im Zuge dessen mit ein paar Beobachtungen zur Musicalszene dort und hier in Deutschland beschäftigen sollte... Aber es kommt natürlich wieder anders. Erst tritt das Unglaubliche ein und in den USA wird tatsächlich ein rückständiger, dummer, selbstverliebter, rechtspopulistischer, sexistischer Egomane zum Präsidenten gewählt und darf damit tatsächlich in den nächsten vier Jahren die Geschicke der Welt wesentlich mitbestimmen. Ein Albtraum, von dem ich bis zuletzt nicht geglaubt habe, dass er wahr werden könnte. Ich habe wirklich gehofft, nein, sogar geglaubt, dass die Menschen dort drüben jenseits des großen Teiches nicht so dumm sein würden. Andererseits waren die Menschen in Deutschland 1933 bekanntlich ja auch nicht schlauer... Die gegenwärtige Entwicklung, nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa (siehe Erstarken der rechten Parteien) macht deutlich, dass die Politik viel zu lang nur einseitig das Wohl der ohnehin schon Reichen im Blick hatte und Mittel- und Unterschicht komplett vernachlässigt hat. Ich hoffe, dass es zum Umdenken noch nicht zu spät ist. Die nächsten vier Jahre werden es beweisen. Einer hat sich jedenfalls schon auf die Reise gemacht und diese Woche noch trauriger enden lassen, als sie begonnen hat: Leonard Cohen ist gestorben. Eine der großen Stimmen, einer der großen Liedermacher englischer Sprache. Kurz vor seinem Tod hat er (ähnlich wie Bowie Anfang des Jahres) noch ein ganz starkes letztes Album veröffentlicht. Im Nachhinein betrachtet erscheint mir dessen Titel "You Want It Darker" wie ein zynischer Kommentar zum Weltgeschehen... Möge Cohen in Frieden ruhen. 2016 hat viel zu viele Gute genommen. Und viel zu viele Schlechte dagelassen.

Tour-Finale

27 Oktober 2016

In wenigen Minuten beginnt in Hamburg das letzte Konzert der Tournee "Die größten Musicalhits aller Zeiten". Es war die erste Kooperation zwischen Sound of Music Concerts und dem Branchenriesen Semmel Concerts, und gleich was für eine! Sieben große Häuser, fast überall ausverkauft, begeisterte Reaktionen des Publikums überall, regelmäßige Standing Ovations schon während des Konzerts und Partystimmung gegen Ende jedes Abends. Auch wenn ich leider diesmal nicht selbst gespielt, sondern "nur" als musikalischer Leiter die Produktion begleitet habe, war es eine wunderbare Erfahrung. In Theatern wie dem Essener Colosseum (siehe letzter Blogpost), dem Musicaltheater Bremen oder der Alten Oper in Frankfurt am Main zu arbeiten, ist schon etwas Besonderes, und das mit so tollen Kollegen und einer Show, die zu keiner Sekunde langweilig wird, auch wenn man sie zum x-ten Mal sieht und hört. Ich bin mir des Privilegs durchaus bewusst und habe dieses Projekt wirklich genossen. So lasst es nun noch ein letztes Mal in Hamburg krachen, Ihr Lieben! Vielleicht findet dieses Konzept ja irgendwann seine Fortsetzung bzw. Wiederaufnahme. Ich wäre sofort wieder dabei. Danke Euch für alles!

Das Colosseum Theater

18 Oktober 2016

Das war vielleicht mal eine Premiere der Tour "Die größten Musicalhits aller Zeiten" am Samstag... Nach einem anstrengenden Proben- und Soundcheckmarathon haben Band und Solisten eine furiose Show hingelegt, die vom ausverkauften Haus von den ersten Takten an mit Jubel, Applaus und Standing Ovations bei fast jedem zweiten Song stürmisch gefeiert wurde. Und ich sitze mittendrin und freue mich, dass das Showkonzept von Andreas Luketa und meine Arrangements mal wieder aufgegangen sind und ein weiteres erfolgreiches Konzertformat in der Welt ist. Am Rande des Premierentages ist mir aber noch etwas anderes durch den Kopf gegangen: Erstmals seit etlichen Jahren (für die erste "Musical Tenors"-Tournee 2010 haben wir zeitweise im Colosseum geprobt) habe ich wieder an diesem Haus gearbeitet. An den Wänden in den Fluren des Hinterhauses hängen Bilder zahlreicher Musicalproduktionen, und während ich daran vorbeiging, erinnerte ich mich an all die vielen Abende, die ich in diesem Theater verbracht habe: Gleich die zweite offizielle Vorstellung an diesem Haus habe ich am Tag nach der "Joseph..."-Premiere 1996 besucht und seitdem jede der dort laufenden Long Run-Produktionen mindestens einmal gesehen. Viele wunderbare Abende habe ich im Colosseum Theater verbracht (und einen ganz schlimmen 2008 bei "Ich will Spaß", einer unsäglichen NDW-Compilation-Show - das bislang letzte Mal, das ich eine Theatervorstellung oder ein Konzert in der Pause verlassen habe) und nicht nur die Darbietungen auf der Bühne, sondern auch die besondere Atmosphäre dieses Hauses genossen. Für mich gehört das Colosseum zu den schönsten Musicaltheatern dieser Größe in Deutschland, und ich bedaure es, dass der Betreiber Stage Entertainment hier seit 2010 keinen kontinuierlichen Theaterbetrieb mehr aufrecht erhält, sondern die Spielstätte lediglich noch mit Gastspielen betreibt. Schade, da gibt es weniger schöne, weniger gut ausgestattete Theater, die man hätte schließen können, wenn man denn aufgrund wirtschaftlicher Zwänge unbedingt ein Haus dichtmachen muss. Nun kenne ich die Hintergründe der damaligen Entscheidung gegen einen ständigen Spielbetrieb an diesem Standort nicht im Detail und möchte mir daher auch kein Urteil anmaßen, aber ich hoffe dennoch, dass es irgendwann wieder ein festes Musical im Colosseum geben wird - dieses Theater ist einfach zu schön, um große Teile des Jahres leerzustehen.

Premiere!

15 Oktober 2016

Wieder einmal ist es soweit: Monate der Planung, Vorbereitung, Arrangements schreiben, Texte lernen, Parts einstudieren. Schließlich Proben, Änderungen, auch noch in letzter Minute. Und plötzlich ist Premierentag. Die Anspannung steigt auf allen Seiten, schließlich ist die Tournee "Die größten Musicalhits aller Zeiten", die wir heute Abend im Essener Colosseum Theater aus der Taufe heben, eines der größten Projekte, die Sound of Music Concerts (erstmals in Kooperation mit Semmel Concerts) bisher herausgebracht hat. Ich bin diesmal leider nicht auf der Bühne dabei, sondern drücke allen vom Zuschauerraum aus die Daumen. Haut rein und rockt das Haus, liebe Kollegen! Ein dickes Toi Toi Toi an unsere Solisten Pia Douwes, Roberta Valentini, Jan Ammann, Alexander Klaws und Jan Ammann, an unsere großartige Band, an unsere Techniker und das bewährte Team um Andreas Luketa. Ich freu mich auf Euch alle!

Sichtweisen

13 Oktober 2016

Letztens habe ich nach einer Probe ein interessantes Gespräch mit ein paar meiner Chorsängerinnen geführt. Es ging um meine Rockoper "Ein Lied von Freiheit", aus der wir für ein bevorstehendes Konzert nach längerer Zeit mal wieder Auszüge geprobt hatten. Außer um den Prozess des Textens und Komponierens an sich und die Entstehung dieses Werks im Speziellen drehte sich die Unterhaltung hauptsächlich um Zukunftsperspektiven für das Stück. Obwohl ich es sehr liebe und die Partitur nach wie vor für eine meiner besten Arbeiten halte, sehe ich persönlich die Chancen, dass "Ein Lied von Freiheit" in naher Zukunft auf die Bühne zurückkommt, eher als unwahrscheinlich an. Und nicht nur, weil ich von Natur aus ein pessimistischer Mensch bin: Es haben sich einfach zu viele Dinge anders entwickelt als geplant. Tourpläne haben sich zerschlagen (größtenteils weil ich schlicht keine Zeit habe, mich selbst um Booking, Locations und Organisation zu kümmern); entsprechend haben sich auch meine Hoffnungen für die Verkäufe der Highlights-EP nicht erfüllt - wenn man heute CDs verkaufen will, sollte man entweder berühmt und erfolgreich sein oder viel live spielen. So sehe ich auch gerade keine große Möglichkeit, die eigentlich geplante Gesamtaufnahme des Stücks zu realisieren; die enormen Kosten sind im Vergleich zum realistisch erwartbaren Ertrag einfach zu hoch. Zurück zu dem Gespräch mit den Chorsängerinnen: Ganz abgesehen davon, dass sie es schade fanden, dass "ein so tolles Stück" (danke!!!) in der Schublade bleiben soll, kamen wir sehr schnell auf die allgemeinen Perspektiven in meinem Beruf. Nüchtern betrachtet arbeite ich (und das gern) als Arrangeur und Live-Musiker, um meine Brötchen zu verdienen, und alle paar Jahre, wenn vielleicht ein bisschen angespartes Kapital zusammengekommen ist, kann ich ein eigenes, nur der künstlerischen Verwirklichung gewidmetes Projekt realisieren. Überhaupt nicht im Scherz erwähnte ich, dass ich, wenn ich die richtigen Mitstreiter und das passende Sujet finde, endlich mal ein kommerzielles Stück schreiben wolle, das hoffentlich ein Erfolg wird und dadurch ein paar anspruchsvollere Sachen gegenfinanzieren könnte. So wurde es mir schon häufig von verschiedenen Seiten vorgeschlagen. Für mich sehr überraschend reagierten die Damen enorm verblüfft: Das sei dann ja gar nicht mit Herzblut verbunden, das sei dann ja nicht ich selbst, schließlich liebe ich doch, was ich tue. Meine etwas schnöselige Antwort, ich hätte schon 15 Jahre lang erfolglos versucht, Kunst zu machen, ließen die beiden so nicht stehen und wandten mit Recht ein, dass ein künstlerischer Erfolg natürlich auch etwas wert sei, nicht nur ein kommerzieller Erfolg. Ich nahm jedenfalls aus dem Gespräch ein paar Punkte mit, die mir nach einem sehr anstrengenden Arbeitstag den Abend versüßten: 1. Es ist immer wieder toll, zu hören, dass jemand meine Musik liebt und sie ihm/ihr etwas bedeutet. Das ist wahrscheinlich der schönste Erfolg überhaupt, den man als kreativer Künstler erfahren kann. 2. Es ist interessant, welches Image ich mir offenbar erarbeitet habe und dass man mir so richtig kommerzielle Projekte anscheinend weniger zutraut. Mal sehen, was die Zukunft bringt... ;-) 3. "Ein Lied von Freiheit" sollte dringend mal wieder aufgeführt werden.

Heißer Herbst

29 September 2016

Langsam akklimatisiere ich mich wieder zu Hause. Letzte Woche habe ich nämlich wesentlich mehr Zeit in diversen Tonstudios verbracht als in den eigenen vier Wänden: Zunächst haben wir im United Sound Studio bei einer zweitägigen Wochenend-Session sämtliche Chor-Parts für die CD von St. Barbara Gospel aufgenommen, die Ende des Jahres erscheinen wird und auf der sich sämtliche selbstgeschriebenen Titel des Chores befinden. Darunter natürlich auch drei Kompositionen von mir. ;-) Direkt am Tag nach diesen Choraufnahmen ging es weiter im Tresohr Studio Oberhausen, wo wir in nur zweieinhalb Tagen die Bandtracks und fast alle Gesangsspuren für das Album zur Tournee "Merci Chérie" produzierten. Da ich für unsere verhinderte etatmäßige Pianistin eingesprungen bin, durfte ich meine eigenen Keyboard-Parts in einer zusätzlichen Session overdubben und werde folglich auf der fertigen CD vierhändig spielend zu hören sein...
Direkt im Anschluss an die Studioproduktion stand die Wiederaufnahme der Musicalkomödie "Festgepoppt" im Katielli Theater in Datteln an - wie immer ein großer Spaß mit wunderbaren Kollegen. Am Sonntag durfte ich mal einen Tag lang durchatmen, und in dieser Woche ist nun wieder business as usual angesagt: Proben mit meinen Chören für anstehende Konzerte, ein neues Schulprojekt ist mittlerweile gestartet, und die Arrangier- und Notensatz-Aufträge stapeln sich ebenfalls auf dem Schreibtisch. Es wird ein heißer Herbst, denn nächste Woche beginnen schon die Proben für die Tournee "Die größten Musicalhits aller Zeiten" mit Pia Douwes, Roberta Valentini, Jan Ammann, Alexander Klaws und Mark Seibert, für die ich die Arrangements geschrieben habe und als musikalischer Leiter fungiere. Bei "Merci Chérie", "Superstars des Musicals", "Festgepoppt" u.a. stehe ich dann bald auch wieder vermehrt selbst auf den Brettern, die auch für mich die Welt bedeuten, und parallel gibt es viel fürs nächste Jahr vorzubereiten, das eines der aktivsten und spannendsten meiner bisherigen Laufbahn zu werden verspricht. Also nicht böse sein, wenn ich nicht dazu komme, diesen Blog mit hoher Frequenz weiterzuführen... Natürlich werde ich versuchen, auch weiterhin an dieser Stelle Gedanken, Kommentare und Blicke hinter die Kulissen zu veröffentlichen. Schaut einfach immer wieder mal rein. Bis dahin: Einen schönen Herbst allerseits!

15 Jahre...

11 September 2016

Heute vor 15 Jahren war ich in Hamburg. Ein Tagesausflug mit der Familie. Ich weiß noch genau, dass es in Strömen regnete, während ich wie üblich meine Runde durch Plattenläden und Buchhandlungen machte und an der Alster das obligatorische Alsterwasser trank. Am frühen Nachmittag waren wir wegen des Wetters wieder zurück im Hotel, als mein Handy zu klingeln begann. Ich hatte geplant, wenige Tage später nach New York zu fliegen. Nun erreichten mich zahlreiche Nachrichten, ob ich schon in den USA sei, ob es mir gutgehe, ob ich noch lebe - und mein bester Freund schickte eine SMS, deren Wortlaut ich bis heute nicht vergessen habe: "Willst Du immer noch nach New York fliegen? Wenn ja, dann sag mal, wie es dort ohne World Trade Center aussieht. Aber besser ist, Du fliegst nicht!" Ich verstand nur Bahnhof. Erst als ich den Fernseher anschaltete, wurde mir klar, was da gerade in New York passiert war. Das ganze Ausmaß des Geschehens konnten wir damals, als wir tagelang vor dem TV hingen und die aktuellsten Neuigkeiten verfolgten, noch gar nicht erfassen. Für mich war es damals ein spektakuläres, unfassbar grausames Verbrechen, aber ein Einzelfall. In meinem jugendlichen Leichtsinn und Egoismus fühlte ich mich persönlich getroffen, nicht nur, weil New York zur damaligen Zeit meine absolute Lieblingsstadt und Amerika immer noch so etwas wie das "Gelobte Land" für mich war (vor allem Letzteres hat sich nachhaltig geändert), sondern auch, weil die Reise, die ich gemeinsam mit einem Freund lange geplant, auf die ich gespart und mich monatelang gefreut hatte, nun aus naheliegenden Gründen ins Wasser fallen musste. Heute wissen wir, dass der 11. September 2001 nur der Anfang war, das erste große Attentat im Krieg, den fanatische Islamisten gegen die westliche kapitalistische Welt führen. (Auch wenn es zweifellos zahlreiche Ungereimtheiten im Zusammenhang mit den Anschlägen gibt, betrachte ich die zahlreichen Verschwörungstheorien, die USA selbst hätten hinter den Anschlägen gestanden, um einen Vorwand für Kriege im Nahen Osten zu haben, mit viel Skepsis - nennt mich naiv, aber das will ich nicht glauben, und ich hoffe inständig, mich in dieser Hinsicht nicht zu irren.) Auch wenn diese Phrase reichlich abgedroschen ist, in diesem Fall trifft sie wirklich zu: Seit jenem Tag ist die Welt nicht mehr dieselbe. Sie hat ihre Unschuld verloren. Die Skrupellosigkeit terroristischer Verbrecher, Unschuldige für ihre perfiden Ziele in den Tod zu reißen, hat ganz neue Ausmaße angenommen. Und wie wir in den letzten Monaten und Jahren leidvoll erfahren mussten, ist das längst keine Sache mehr zwischen Islamisten und USA. Madrid, London, Paris, Brüssel, Nizza - der Terror hat längst Europa erreicht. Ein absolutes Sicherheitsgefühl gibt es nicht mehr. Wo das noch hinführen wird, weiß niemand. Ein dauerhafter weltweiter Frieden scheint in weitere Ferne denn je gerückt. Dennoch dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben, dürfen wir nicht aufhören, nach friedlichen Lösungen zu suchen. Sonst haben die Hassprediger und Terroristen schon gewonnen.

Gegen die neue Rechte

06 September 2016

Bevor es jetzt im September wieder richtig in die Vollen geht mit Gigs (darunter die Wiederaufnahme von "Festgepoppt" im KatiElli Theater in Datteln, auf die ich mich riesig freue) und gleich zwei CD-Produktionen (mehr dazu bald), habe ich mich nochmal kurz nach Hamburg aus dem Staub gemacht. Ein wenig den Kopf freikriegen, mir den Wind um die Nase wehen lassen, neue Ideen aushecken, liebe Freunde treffen, Musical gucken, Projektgespräche führen. Ich liebe solche kleinen Ausflüge für mich allein und brauche das ein, zwei Male im Jahr, sonst werde ich ungenießbar. Vom praktischen Nutzen mal ganz abgesehen (es ist z.B. einfach sinnvoller, wenn Komponist und Librettist zwischendurch auch mal zusammen an einem Tisch sitzen und live über die gemeinsamen Stücke sprechen können statt nur per Mail). Was mir diesmal ganz besonders aufgefallen ist, als ich zurückkam: In Hamburg waren praktisch alle Leute, mit denen ich zu tun hatte (Hotelpersonal, Kellner, Passanten, Verkäufer etc.) freundlich und gut gelaunt. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so vielen fremden Menschen zugelächelt habe. Zurück in Gelsenkirchen: Unzufriedene, mürrische, unglückliche, unfreundliche Gesichter, wohin man sieht. Die Frustration der Menschen hier im Ruhrgebiet ist nicht mehr zu übersehen, so sehr sich die Politik auch bemüht. Die sozialen Mißstände werden seit Jahren immer schlimmer, die Schere klafft immer weiter auseinander, und niemand gibt den Leuten das Gefühl, er setze sich für sie ein, damit sich etwas ändert. Da liegt die Gefahr dann nahe (da wir leider auch nicht unbedingt im rosigsten Bildungszeitalter leben), dass unterinformierte Menschen ihr "Heil" (pun intended) darin suchen, Flüchtlinge und Zuwanderer für ihre Misere verantwortlich zu machen und ergo die rechte Grütze zu wählen, die in Form der AfD nur unzureichend verkleidet wieder aus ihren Löchern kriecht. Siehe Mecklenburg-Vorpommern. Ja, die Regierung(en) haben in den vergangenen Jahr(zehnt)en die Integrationspolitik, zumindest im Ruhrgebiet, gnadenlos vergeigt. Bandenkriminalität, offene Aggression, Ghettobildung (oder neudeutsch: "No-Go-Areas") sind an der Tagesordnung. Aus dieser Situation heraus rechts zu wählen, ist so dumm wie kurzsichtig - die Geschichte droht sich zu wiederholen. Ich weiß auch keine Lösung, mir wird nur Angst und Bange, wenn ich darüber nachdenke, wo das noch hinführen soll. Ich weiß nur: Nazis sind keine Lösung. Sie sind Verbrecher. Das hatten wir schonmal. Deswegen kann ich nur alle dazu aufrufen, bei jeder Gelegenheit wählen zu gehen, auch wenn die Politikverdrossenheit noch so groß ist. Wollen wir den Rechtsruck auf Bundesebene verhindern, zählt jede gegen die Neonazis abgegebene Stimme!

Weiter geht's

19 August 2016

Da bin ich wieder! Naja, eigentlich bin ich schon ein paar Tage wieder in der Heimat, und in diesem Jahr habe ich meinen Urlaub ja sowieso auch mehrfach für diverse Konzerte, Gigs und Proben unterbrochen, aber wie das so ist: Die ersten Arbeitstage nach längerer Pause sind immer ziemlich wuselig und angefüllt mit wenig spannenden Tätigkeiten: Aufgelaufene Mails und Post abarbeiten, Bürokram erledigen, wieder Kontakt zum Arbeitsumfeld aufnehmen. Während der letzten Tage konnte ich aber auch schon etliche erfolgreiche Gespräche führen, und die Weichen für ein spannendes, abwechslungsreiches, arbeitsintensives Jahr 2017 sind gestellt (und der Herbst 2016 wird größtenteils der Vorbereitung der Dinge gewidmet sein, die da kommen). Es wird also hoffentlich bald einige spannende Neuigkeiten hier zu verkünden geben! Und wer weiß, vielleicht lässt mir 2017 ja auch noch ein bisschen Zeit für meine eigene Musik...

Sommerpause

09 Juli 2016

So, das erste Halbjahr 2016 ist geschafft, der Sommer traut sich hin und wieder doch mal aus seinem Versteck, und auch ich habe mir ein wenig Pause verdient. Mit den verschiedensten Konzerten zu Jahresbeginn, der Produktion von "Festgepoppt" in Datteln, der Tournee "Merci Chérie" und natürlich der Uraufführung von "Friedelinds Wahnfried" in Bayreuth war das Jahr 2016 bisher nicht nur außerordentlich abwechslungsreich und erfolgreich, sondern auch in Sachen Workload rekordverdächtig. Ich genieße es natürlich, dass es so gut läuft, aber in den letzten Wochen, die ich dazu genutzt habe, verschiedene Projekte abzuschließen (die Arrangements für die Tournee "Die größten Musicalhits aller Zeiten" im Herbst, mein aktuelles Schulprojekt), Planungsarbeit zu betreiben und den Schreibtisch endlich mal wieder gründlich von Liegengebliebenem zu befreien, habe ich schon gemerkt, dass die Akkus leer sind. Deshalb werde ich nun bis Mitte August eine Pause machen, unterbrochen nur vom "Merci Chérie"-Konzert in Oelde und einem Doppelgig mit meinem Chor St. Barbara Gospel. Meine Familie und mein Hund wollen schließlich auch mal etwas von mir haben. ;-) Danach geht es dann mit Volldampf an die nächsten Projekte: Diverse Arrangementaufträge, die auf meinem Schreibtisch liegen, und die Vorbereitung für die Auftritte und Tourneen des nächsten Jahres, denn bis Ende 2017 stehen schon wieder über 50 Termine fest, die ich dann nach und nach auch hier bekanntgeben werde. Es läuft! Dafür danke ich allen Kollegen und Auftraggebern, mit denen und für die ich arbeiten darf, und natürlich allen Konzert- und Theaterbesuchern! Wir sehen uns on the road! Bis dahin aber allen Lesern dieser Seite einen schönen Sommer und erholsame Ferien.

Legenden live

23 Juni 2016

Ich habe versprochen, diese Woche etwas Positives in diesem Blog zu schreiben - und was ich verspreche, halte ich. ;-) Ich hatte in diesem Frühjahr das Glück, innerhalb von gut vier Wochen gleich sechs große Rock-Konzerte sehen zu können. Ich mag zwar nicht darüber nachdenken, wieviel Geld meine Frau und ich in die Karten investiert haben... aber im Großen und Ganzen waren die Erlebnisse, die wir so gesammelt haben, jeden einzelnen Cent wert. Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer, Paul McCartney, Elton John, AC/DC (mit Axl Rose) und Bruce Springsteen - allesamt Größen und Legenden. Viel mehr geht nicht in einer einzigen Open Air-Saison.
Udo Lindenberg: Ein Unikum, ein Vorreiter des Deutsch-Rock. Einer, der nun wirklich immer konsequent sein Ding gemacht hat, zwischenzeitlich weg vom Fenster war und 2008 ein spätes, aber umso spektakuläreres Comeback hingelegt hat. Angesichts seines immensen musikalsichen Schaffens und seines unermüdlichen sozialen und politischen Engagements hat er den Erfolg, den er im Karriereherbst erleben darf, mehr als verdient. Eine unglaubliche Stadionshow in der Schnittmenge von Rockkonzert, Ausstattungsrevue und Geburtstagsparty. Klasse!
Herbert Grönemeyer: Ein Künstler, den ich seit vielen Jahren liebe. Nicht nur musikalisch, auch menschlich. Und wenn Herbert ein "Fast-Heimspiel" auf Schalke gibt, muss ich dabei sein. Angekündigt war das Konzert außerhalb der laufenden Tournee als eine Art "Best of", gespielt wurde im Hauptteil aber das ganz normale aktuelle Standard-Programm, ergänzt um ein paar rare Zugaben. Falsche Erwartungen also. Dazu habe ich das Pech, 2003 die "Mensch"-Tournee in Gelsenkirchen gesehen zu haben - und mehr Stimmung, Emotion, Konzert-Feeling geht nicht. So war dieser Gig für mich ein bisschen enttäuschend im Vergleich zu den anderen besuchten Konzerten - auch wenn das natürlich Jammern auf ganz hohem Niveau ist.
Paul McCartney: Das war nun das absolute Highlight des Jahres. Ich hatte meinen Lieblings-Beatle bisher noch nie live erleben können, also war ich sehr gespannt. Und Sir Paul hat mich in jeder Hinsicht vollkommen überwältigt: Ein knapp dreistündiges Konzert mit viel Show und natürlich noch mehr guter Musik aus allen Karrierephasen von den Beatles über die Wings bis zu seinen jüngsten Soloalben. Das Gefühl, seine liebsten Beatles-Songs vom Original live zu hören - ein Stück lebendig gewordene Musikgeschichte. Noch dazu kam der Meister sehr sympathisch rüber und hatte eine fantastische Band im Schlepptau, die international Maßstäbe in puncto Groove und Zusammenspiel setzt. Und Drummer Abe Laboriel, Jr. ist (pardon für die saloppe Wortwahl) die mit Abstand coolste Sau, die ich je an einem Schlagzeug habe sitzen sehen. Ein Fest!
Elton John: Eine weitere Musiklegende. Sir Elton habe ich schon mehrfach live erlebt, aber noch nie aus so großer Nähe und selten in so blendender Spiellaune wie in Krefeld. Ein Abend, der nach langer Zeit endlich mal wieder neben all den sattsam bekannten Hits auch ein paar Überraschungen und neue Songs auf der Setlist hatte. Elton John ist deutlich mehr als der Balladensänger, den uns das Formatradio anhand seiner bekannten Singles serviert, und meine Frau und ich (beide durchaus versierte Pianisten) fragen uns immer wieder: Wie schafft es jemand mit so kurzen Fingern, so tierisch gut Klavier zu spielen???
AC/DC: Eigentlich wollte ich das Geld für diese Karte nicht ausgeben. Aber die Neugierde siegte, und ich habe es nicht bereut. Axl Rose macht seinen Job als Ersatz für den erkrankten Brian Johnson verdammt gut, er drängt sich nicht eitel in den Vordergrund, sondern stellt sich in den Dienst der Band, und moderiert dazu noch recht unterhaltsam (was Johnson nie getan hat) - was will man mehr? Ach so, und natürlich sind AC/DC nach wie vor eine Band, die einfach unglaublich ROCKT. Punkt.
Bruce Springsteen: Zum Abschluss unserer diesjährigen Konzertsaison den Boss im Berliner Olympiastadion zu erleben, war schon etwas Spezielles. Nicht nur, weil Springsteen-Konzerte immer wieder Feste sind, wahrscheinlich mit das Beste, was man derzeit im Bereich von Live-Rockmusik erleben kann (McCartney mal ausgenommen). Und Bruce und die E-Street-Band enttäuschten kein bisschen, sondern lieferten eines der besten Konzerte ab, die ich in den vergangenen 14 Jahren von ihnen gesehen habe. Zum Erlebnis wesentlich beigetragen hat aber der Veranstaltungsort: Berlins Olympiastadion ist ja bekanntermaßen historisch vorbelastet. Und den gigantomanischen Größenwahn, mit dem die Nazis ihre Kleingeistigkeit kompensierten und das schlicht denkende Volk zu beeindrucken wussten, merkt man diesem Gebäude immer noch an. Wie schön, dass jetzt statt brauner Hirnlosen-Aufmärsche Rockkonzerte an diesem Ort stattfinden. Für mich ein schönes Symbol dafür, dass Musik alles überwinden kann. Auch die schlimmsten politischen Verirrungen. Ein Gedanke, der gerade heutzutage, wo dieses unser Land so nah an einem fatalen Rechtsruck steht wie vielleicht seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr, tröstlich ist.

Verrückte Welt

17 Juni 2016

Jetzt ist seit dem letzten Blog-Eintrag schon wieder über ein Monat vergangen. Das liegt nicht allein daran, dass ich viel zu tun hatte und habe (okay, daran liegt es auch). Ich wollte mehrfach etwas Schönes posten: Über wunderbare Konzerte mit "Merci Chérie" in Österreich und (als grandioser Abschluss des ersten Tourneeabschnitts) Hockenheim, über ein ebenfalls sehr gelungenes "Hollywood Nights"-Konzert in Köln, über einen sehr angenehmen Auftritt auf der Oberhausener "Just Whisky"-Messe. Aber jedesmal, wenn ich mir fest vorgenommen hatte, endlich mal wieder einen entsprechenden Post zu verfassen, gab es von irgendwo in diesem unserem Lande oder aus der ganzen Welt frische Horrornachrichten, die jegliche möglichen Auslassungen über den Arbeitsalltag eines Musikers völlig irrelevant erscheinen lassen. Es ist unendlich traurig und macht mir zunehmend Angst, was da alles auf der Welt los ist, wie Menschen miteinander umgehen und wie Dummheit, Hass und Aggression überall die Oberhand zu gewinnen scheinen, ob nun die unkaputtbare braune Scheiße in Deutschland wieder aus den Löchern quillt, wahnsinnige, verblendete islamistische Terroristen im Namen einer Religion Massaker anrichten, selbsternannte Fußball-"Fans" (kommt wortstammmäßig wohl doch von "fanatisch") brutal randalieren und so ein eigentlich friedliches Turnier kaputtmachen oder Politikerinnen auf offener Straße ermordet werden, weil sie für den Verbleib ihrer Heimat Großbritannien in der Europäischen Union plädieren. Was ist das für eine kaputte, kranke Welt, die wir da gerade tagtäglich erleben? Da fehlen mir die Worte. Ich werde mich bemühen, nächste Woche etwas Positives an dieser Stelle zu schreiben. Wenn nicht wieder irgendein Drama dazwischenkommt.

Nachtrag Bayreuth

15 Mai 2016

Ich muss nochmal auf das Thema "Friedelinds Wahnfried" in Bayreuth zurückkommen. Mittlerweile haben mich so viele liebe, unterstützende, beileidbekundende, aufmunternde, mutmachende Nachrichten von Komponisten- und Musikerkollegen bezüglich der vernichtenden, ja fast boshaften Kritik einer bayrischen Regionalzeitung erreicht, dass ich mich zum Einen recht herzlich dafür bedanken möchte. Andererseits kann ich nur sagen: Dass sich offensichtlich einige von Euch Sorgen machen, ich würde die Flinte ins Korn werfen, ist völlig unbegründet. Dazu bräuchte es mehr als einen gehässigen Zeitungsartikel und ein paar geschockte Wagnerianer. :-)
Erstens: Nach privater Ausbildung, Studium und mittlerweile vierzehn Jahren als professioneller Musiker beherrsche ich mein Handwerk, habe ich genug Berufserfahrung gesammelt und besitze auch ausreichend Selbstbewusstsein, um mit solchen Verrissen prima leben zu können. Keiner der betreffenden Kritiker (ob von der Presse oder nicht) hat einen Blick in die Partitur geworfen oder sich auch nur annähernd genügend mit der Komposition beschäftigt, um so pauschal vernichtende Urteile zu fällen. Fundierte Kritik nehme ich ernst, allgemeines Schlechtmachen einer Produktion aus Prinzip nicht.
Zweitens: Niemand ist gezwungen, meine Musik zu mögen. Sobald man sich auf eine Bühne stellt oder in anderer Form eine eigene Arbeit veröffentlicht, muss man sich den Meinungen des Publikums und der Kritik stellen. Das muss man aushalten können, sonst ist man in diesem Beruf falsch. Ich kann sehr gut damit leben, wenn jemand meine Musik nicht mag. Seit jeher arbeite ich irgendwie zwischen den Stühlen: Für den Mainstream zu anspruchsvoll, zu kompliziert; für die selbsternannte Hochkultur zu greifbar, zu melodisch. Aber das ist der einzige Weg, den ich gehen kann, ohne mich zu kompromittieren.
Drittens: Aus verschiedenen Gründen kann ich die besagte Kritik überhaupt nicht ernst nehmen. Ein Fehler, den ich einsehe, ist der, dass wir im Programm nicht deutlicher gemacht haben, dass wir eine Verbindung dreier verschiedener Musikgenres (Oper, Musical, Chanson) anstreben. Andererseits: Ich kenne aus meiner eigenen langjährigen Nebentätigkeit als Kritiker genug Musikredakteure, denen das automatisch aufgefallen wäre... Jedenfalls hat der Autor dieses grundlegende Konstruktionsprinzip des Stücks nicht verstanden, ob durch eigenes oder unser Verschulden, ist letztlich egal. Viele seiner Kritikpunkte sind auf dieses "Missverständnis" zurückzuführen: Die eingesetzte Mikrofontechnik, die Kritik an meinen gesanglichen Leistungen. Natürlich bin ich im Vergleich zu den Kolleginnen Schober und Wieckhorst ein "Amateur", da ich keinen formellen Gesangsunterricht genossen habe. Dafür bin ich seit Jahren erfolgreich als Sänger im Chansonbereich unterwegs, und genau diese Sparte wollte ich durch meine Mitwirkung als Siegfried Wagner bei diesem Projekt repräsentieren. Außerdem widerspricht sich der Kritiker mehrfach selbst: So schreibt er beispielsweise "nichts gegen Musical", kritisiert aber andererseits, dass die Veranstaltung (teilweise, die Mikrophone waren keineswegs im Dauereinsatz) mit Soundtechnik gefahren wurde. Dabei gehört das Singen über Mikrophon zur Kunstform Musical (wie auch zu der des Chansons), weil man so einfach wesentlich mehr Nuancen und Interpretationsfeinheiten vermitteln kann als über die reine klassische Gesangstechnik, die wieder eine Kunstform für sich ist. Dieser Unterschied scheint dem Autor nicht bewusst gewesen zu sein. Besonders schön finde ich in seiner Kritik auch, dass er meinen Kompositionen einerseits Banalität und Beliebigkeit vorwirft, andererseits bemängelt, ich würde die gleichen Bassmuster ständig wiederholen (ähm... ja, die gesamte Partitur ist, wenn auch nicht dogmatisch, motivisch durchstrukturiert, so dass es auch Begleitfiguren gibt, die immer wieder auftauchen...) oder dass sich einige Melodiebögen zwar ins Ohr schmeicheln, sich dort jedoch nicht festsetzen würden (also sind die Melodien vielleicht doch nicht banal genug, denn dem Kritiker zu unterstellen, er könne sich nicht einmal die banalsten Melodien merken, liegt uns natürlich fern).
Man sieht: So wie der Kritiker unsere Aufführung auseinandergenommen hat, könnte man auch seine Kritik argumentativ zerpflücken und dadurch relativieren. Aber das bringt ja nichts. Stattdessen greife ich lieber den sicher gut gemeinten Rat am Ende des Artikels auf: Komplett einstampfen werden wir unsere bisherigen Arbeitsergebnisse sicher nicht, aber hinsichtlich ihrer Tauglichkeit prüfen und das Konzept überdenken. Die Grundidee ist viel zu spannend, um sich von ein paar schlechten Kritiken komplett entmutigen zu lassen.

Ach ja, die Hochkultur

11 Mai 2016

Wir haben es geschafft! Das Abenteuer Bayreuth liegt hinter uns, wir haben es überlebt, ohne von den Wagnerianern geschlachtet worden zu sein (außer verbal vielleicht... doch dazu weiter unten mehr). Dirk Schattners und mein Musiktheater "Friedelinds Wahnfried" ist in seiner derzeitigen Form in der Welt, wir haben das Privileg genossen, unsere textlich-musikalischen Arbeitsergebnisse von tollen Kollegen mit großartigen Stimmen zu hören. Vor allem aber durfte ich auf Richard Wagners Flügel spielen - ein Steinway Centennial D von 1876, auf dem neben Wagner u.a. auch schon Franz Liszt gespielt hat. Ein einmaliges Erlebnis für einen Pianisten, zumal ich der festen Überzeugung bin, dass Instrumente etwas von dem "Spirit" der Künstler, die schon auf ihnen spielten, aufsaugen und speichern. Klingt vielleicht ein wenig esoterisch, aber alle Musiker dürften nachvollziehen können, was ich meine. :-) (Ganz von diesem Ehrfurchtsfaktor abgesehen, ist Steinway einfach mein Lieblings-Flügel-Hersteller, Punkt.) Auch im Saal der Villa Wahnfried spielen zu dürfen, war ein spezielles Erlebnis - ein großer Dank dafür geht an Dr. Sven Friedrich, den Leiter des Richard Wagner-Museums in Bayreuth.
Nun haben wir selbst die Veranstaltung primär als Reading konzipiert, also als konzertante Präsentation des aktuellen Stands des Materials mit dem Ziel, dieses anhand der aus der Präsentation gewonnenen Erkenntnisse und Reaktionen weiterzuentwickeln. Ob das Konzert in dieser Hinsicht ein Erfolg war, wird sich noch zeigen. Wir sind auf Zustimmung, aber auch auf (wahrscheinlich noch mehr) Ablehnung gestoßen. Da gab es ein Grüppchen von Konzertbesuchern (wie sich hinterher herausstellte, Personen, die in Bayreuth nichts zu sagen haben, aber gern etwas zu sagen hätten, teilweise einen persönlichen Groll gegen einzelne Mitglieder unseres Teams hegen und somit also schon mit dem festen Vorsatz nach Wahnfried gekommen sind, unser Stück zu hassen), die sich in der Pause den Mund zerrissen haben: Die Texte seien "ganz furchtbar", die Musik "fast food", bei den Sängern sei zwar "ein wenig Talent erkennbar, aber Geld verdienen könne man damit ja wohl nicht" (witzigerweise sind ja alle beteiligten Solistinnen seit Jahren selbständig tätig und leben von ihrer Musik... hmmm...). Andere (weit weniger, als es die regionale Presse verbreitet) sind in der Pause gegangen. Besagte Presse (ich habe den endgültigen Artikel noch nicht vorliegen, aber anhand der online lesbaren Einleitungszeilen lässt sich der Tenor schon erkennen) lässt ebensowenig ein gutes Haar an uns wie etliche Konzertbesucher.
Was ist da los? Sind wir, die wir allesamt seit Jahren unseren Beruf sehr erfolgreich ausüben, plötzlich unfähig geworden? Nein. Hier greift mal wieder das typisch deutsche Schubladendenken, gepaart mit dem speziellen Standesdünkel vieler "E-Musik"-Verfechter im Allgemeinen und der Bayreuther Wagnerianer im Besonderen. Natürlich war uns klar, dass ein Werk, das die Familie Wagner durchaus kritisch beleuchtet, ausgerechnet in Wahnfried auf heftigen Gegenwind stoßen würde (witzigerweise setzte an einer entsprechenden Textstelle kurzzeitig der Strom aus, was einen Besucher zu der Vermutung veranlasste, dafür sei der Geist Wolfgang Wagners, Friedelinds Bruder, verantwortlich gewesen...). Ebenso war uns klar, dass ein Stück, das bewusst drei Stilrichtungen (klassische Musik, Musical und Chanson) als Charakterisierung seiner drei Hauptfiguren nicht nur in der Besetzung, sondern auch in der kompositorischen Substanz zu verbinden sucht, bei den Gralshütern der Klassik, der vermeintlich einzigen hohen Kunst, nicht ankommen würde (siehe Zitat "Fast Food-Musik"). Bei diesen Leuten ist ja alles, was nach 1918 komponiert wurde und trotzdem eine Melodie aufweist, gleich Teufelswerk. Tatsächlich hatte noch keines meiner Stücke so viele dissonante, ja atonale Anteile wie "Friedelinds Wahnfried", weil es eben zur Geschichte bzw. den Figuren passte. Ich begreife ja die sogenannte "Neue Musik" (die ja auch schon längst wieder das Rentenalter erreicht hat) auch nur als eine Facette einer reichhaltigen, historisch gewachsenen Farbpalette musikalischer Möglichkeiten; ich komponiere niemals atonal um des Atonalen willen, sondern ich nutze diese Technik gezielt für bestimmte Effekte. Außerdem macht Melodienschreiben mir schlicht und einfach mehr Freude als das mathematische Zusammenfügen serieller Techniken. Das muss nicht jedem gefallen; aber ich finde dieses überhebliche Getue der E-Musik-Jünger gegenüber jeglicher Form zugänglicher Musik unerträglich. Natürlich muss niemand meine Musik mögen. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn Besucher sagen, es hat ihnen nicht gefallen, weil es einfach nicht ihre Musik war. Damit kann ich gut leben. Auch mit fundierter Kritik habe ich kein Problem, nur mit arroganter, selbstverliebter Dummheit, weil man ja ach so kulturell erhaben ist. Auch ein Grund, weswegen ich mein klassisch basiertes Studium einst abgebrochen und seitdem nur noch sehr wenig mit dieser "Szene" zu tun habe.
Unter den positiven Reaktionen habe ich mich besonders über drei gefreut: Die Meinung von einigen in der Branche tätigen Profis, dass das Stück seine selbst gesteckten Ziele erreicht habe und die Musik gerade in der Kombination der verschiedenen Stilrichtungen überzeuge. Die spontane Äußerung einer Angestellten von Wahnfried beim Soundcheck, wie toll sich das anhöre und dass ich ein begnadeter Pianist sei. (Ja, ich gestehe, auch ich bin nur ein Mensch und habe eine gewisse Eitelkeit - jetzt ist damit aber auch wieder gut... ;-) ). Und schließlich die Aussage eines eingeladenen Freundes eines der Mitwirkenden, der sagte, er habe normalerweise mit Kunst und Kultur nichts am Hut, aber unser Stück habe ihn gepackt und begeistert. Pardon, aber das (einen anderen Menschen erstens überhaupt erreicht und berührt sowie zweitens vielleicht fürs Musiktheater im Allgemeinen interessiert zu haben) bedeutet mir viel mehr, als zu versuchen, irgendeiner selbsternannten "Kulturelite" gefallen zu wollen. In diesem Sinne sehe ich unser "Experiment Bayreuth" durchaus als geglückt an.

Friedelinds Wahnfried

05 Mai 2016

Nun komme ich endlich einmal dazu, ein paar Hintergrundinformationen zu meinem neuen Musiktheater "Friedelinds Wahnfried" zu verraten. (Warum Musiktheater? Weil das Stück a) anspruchsvoller ist als das momentane Durchschnittsmusical, was mich persönlich bei der Genrezuordnung weniger stören würde, aber b) versuchen Autor Dirk Schattner und ich natürlich, das Stück an Produzenten und Theater zu verkaufen, und da würde die Gattungsbezeichnung "Musical" dann doch andere, falsche Erwartungen wecken.)
Bereits vor etlichen Jahren saß ich mit meinem lieben Freund, dem Regisseur, Autor und Texter Dirk Schattner, an einem sonnigen Tag in einem Café in der Essener Innenstadt, wo wir uns über aktuelle und zukünftige Projekte austauschten. Beide hatten wir den Plan, Stücke zum Doppel-Geburtstagsjahr der Komponisten Richard Wagner und Giuseppe Verdi zu schreiben. Dirk erzählte mir von seiner Idee, ein Musiktheater über die "unbekannte" Wagner-Enkelin Friedelind (1918 - 1991) zu entwickeln, die für ihre Zeit eine hochmoderne Frau war und sich kritisch mit ihrem Familienerbe auseinandersetzte; als Mutter Winifred den Nazis Tür und Tor in Bayreuth öffnete, wandte sie sich von ihrem Elternhaus ab und emigrierte in die USA. Ich wiederum wollte ein Stück über Giuseppe Verdi und seine Rolle in den politischen Entwicklungen im Italien des 19. Jahrhunderts schreiben. Wir fassten kurzzeitig den Plan, beide Werke parallel auf Tournee zu schicken und Synergieeffekte im Marketing zu nutzen. Daraus wurde leider nichts. Meine Rockoper über Verdi, "Ein Lied von Freiheit", erlebte 2013 ihre Uraufführung und erschien ein Jahr später als Highlights-Version auf CD, von Dirks Stück hörte ich nichts mehr, nachdem er in die USA gezogen war.
Vor ziemlich genau einem Jahr lebte der Kontakt wieder auf, als Dirk mir für meine anlässlich der Edathy-Affäre durchgeführten Benefiz-Konzerte den Text zu unserem später als Benefiz-Single veröffentlichten Lied "Hast du mich gesehn" schickte. Erfreulicherweise blieb der Draht bestehen, und Dirk schlug mir vor, gemeinsam an seiner alten (bislang unrealisierten) Idee weiterzuarbeiten, aus Friedelind Wagners Geschichte ein Musical bzw. Musiktheater zu machen. Der Stoff fesselte mich, und als Dirk mir seine ersten Texte schickte, mit seiner so wundervollen, poetischen, bildhaften, originellen Sprache (und seinem ganz speziellen Humor, immer wieder unerwartete sprachliche Brüche in die Texte einzubauen), war ich endgültig am Haken. Ich suchte ein wenig nach der musikalischen Richtung für Friedelind, aber als ich das kompositorische Vokabular erst einmal festgelegt hatte, floss die Musik parallel zu Dirks Texten in erstaunlichem Tempo aus mir heraus.
Es ist eine ungeheuer wertvolle Errungenschaft unserer modernen, technisierten Welt (die ich immer wieder gerne, oft auch zu Recht, kritisiere), dass wir heute dank Internet in der Lage sind, gemeinsam an einem neuen Stück zu arbeiten, obwohl der Texter in New York sitzt und der Komponist im Ruhrgebiet. Oft fand ich, wenn ich morgens aufstand, einen neuen Songtext im E-Mail-Eingang vor, den ich im Laufe der nächsten Tage (bzw. oft aufgrund des kreativen Rauschs, der sich mittlerweile eingestellt hatte, noch am selben Abend) vertonte und Dirk als Demo rüberschickte. Über Nacht (bei ihm war es ja immer sechs Stunden früher...) schickte er mir seine Kommentare, und so arbeiteten wir uns Stück für Stück, Lied für Lied vor, mit einem Ozean zwischen uns und fast ausschließlich per Mail kommunizierend (Handyempfang zwischen New York und Deutschland ist nicht immer so reibungslos wie das Internet), bis wir schließlich nach einem halben Jahr Arbeit einen ersten Entwurf von "Friedelinds Wahnfried" fertig hatten.
Ein wenig Zeitdruck war dabei, denn dank Dirks Kontakten nach Bayreuth, wo er schon mehrfach gearbeitet hatte, hatten wir mittlerweile das Angebot vorliegen, unser neues Stück zu Friedelinds 25. Todestag im Haus Wahnfried, also am Originalschauplatz unseres Musiktheaters, vorzustellen. Ein etwas weniger enger Zeitplan wäre mir persönlich lieber gewesen, andererseits war es eine Herausforderung, mit dieser Deadline im Hinterkopf zu komponieren, und das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen. Nun sind wir unglaublich gespannt, wie unsere Arbeit ankommt und wie das Publikum reagiert. Für uns ist diese Präsentation Uraufführung und Test zugleich, denn wir betrachten diese konzertante Aufführung als Reading, als erste Präsentationsstufe eines neuen Stücks, das wir mit dem erhofften Feedback im Gepäck anschließend weiterentwickeln wollen mit dem Ziel einer "richtigen" Uraufführung in vollständiger Inszenierung im Jahr 2018, wenn Friedelind Wagners Geburtstag sich zum 100. Mal jährt.
So geht es morgen früh voller Vorfreude nach Bayreuth für die Endproben, wo wir alle (Michaela Schober als Friedelind, Kathryn Wieckhorst als Winifred, ich selbst am Klavier und als Siegfried Wagner, Dirk als Regisseur sowie ein Solistenquartett des Sound of Music Chores) ein arbeitsreiches, aber sicher auch unvergessliches Wochenende vor uns haben. Die letzten Monate sind so schnell vergangen, plötzlich ist es soweit und es wird ernst... Ihr lieben Mitstreiter, ich freue mich auf Euch und unser gemeinsames Abenteuer!

Dresden

01 Mai 2016

Gerade war ich für ein paar Tage in Dresden. Nicht beruflich, ganz privat. Folglich habe ich auch einige der zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Museen besucht. Was einem in Dresden, vielleicht mehr als in jeder anderen Großstadt Deutschlands, bewusst wird, ist die unendliche, wahnsinnige, völlig sinnlose Zerstörungswut von Krieg. Nach den schweren Bombenangriffen der Alliierten vom Februar 1945 lag die historische Altstadt völlig zerstört in Trümmern, teilweise für Jahrzehnte (die Frauenkirche wurde ja erst 2005 wieder geweiht). Es ist mir dabei erstmal völlig egal, ob (was ja unter Historikern eindringlich diskutiert wird) die verheerenden Luftangriffe nötig oder schlicht ein Kriegsverbrechen waren. Hätte Hitler nicht halb Europa mit Aggressionsangriffen überzogen, hätten die Alliierten auch keinen Grund für ihre Bombenflüge gehabt. Was ich viel wichtiger finde: Das Nebeneinander von Zerstörung und Wiederaufstehen, die Bilder des völlig ausgebrannten Dresden und die Pracht, mit der die berühmten Gebäude der Altstadt vom Zwinger über die Semperoper bis zum Schloss wieder aufgebaut wurden, macht die Sinnlosigkeit, die Unmenschlichkeit von Krieg greifbar. So sehr, dass einem angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage nur Angst und Bange werden kann. Was Krieg anrichten kann, haben natürlich nicht nur die Dresdener erfahren, aber hier wird es eben besonders deutlich. Und hier ist der Wiederaufbau besonders gründlich, liebevoll und historisch akkurat durchgeführt worden. Das darf nicht vergebens sein. Deswegen müssen wir den Brandreden schwingenden Politikern, den rechten Idioten, den verblendeten Hasspredigern aller Religionen ein für alle Mal unseren Standpunkt, den Standpunkt der (hoffentlich) vernunftbegabten Mehrheit der Bevölkerung, eindeutig klarmachen: Nie wieder Krieg!

Meinungsfreiheit

17 April 2016

Anlässlich der Causa Böhmermann vs. Erdogan schlagen die Wogen hoch. Es gab, wie immer, in den sozialen Medien, viele kluge und noch mehr weniger kluge Kommentare zu dem Thema. Hier kurz und bündig zusammengefasst meine Gedanken dazu:
Jan Böhmermanns Gedicht ist niveaulos und beleidigend, ja. Aber: Er hat es von vornherein in einen Kontext gestellt, der keinen Zweifel an dem Satirecharakter lässt. Schließlich ging es darum, aufzuzeigen, dass die Kunst-, Presse- und Meinungsfreiheit, die der türkische Präsident so gern und massiv im eigenen Land unterdrückt, hierzulande noch etwas zählt, und dass diese Freiheit noch weitaus mehr umfasst, als das relativ harmlose Satireliedchen, über das Herr Erdogan sich im Vorfeld von Böhmermanns Beitrag schon so echauffiert hatte.
Armutszeugnis unserer Kanzlerin Nummer eins: In vorauseilendem Gehorsam bei Erdogan anzurufen und noch Öl in sein Feuer zu gießen, dass auch sie den Satirebeitrag als beleidigend empfände. Armutszeugnis unserer Kanzlerin Nummer zwei: Die Strafverfolgung von Jan Böhmermann zuzulassen. Warum dies?
Es gibt viele, die den Standpunkt vertreten, Frau Merkel hätte richtig und gesetzeskonform gehandelt, den Fall in die Hände der Justiz zu übergeben (und damit zu demonstrieren, dass, anders als in der Türkei, die Gewaltentrennung in unserem Land noch funktioniert) und gleichzeitig die Abschaffung des sogenannten "Schah-Paragraphen" anzukündigen. Manche sehen darin sogar einen genialen Satire-Akt der Kanzlerin. Ich mag mich täuschen, aber das traue ich alter Skeptiker Frau Merkel nun nicht gerade zu. Immerhin ist diese von vielen geäußerte Sichtweise durchaus nachvollziehbar. Letztlich denke ich jedoch: Gesetzmäßig wäre es auch gewesen (solange besagter Paragraph halt noch existiert), hätte Frau Merkel die Strafverfolgung nicht zugelassen. Das wäre ein klares, eindeutiges Statement für die Kunst-, Meinungs- und Pressefreiheit gewesen. Aber (vermutlich) aus Angst, die Türkei als Bündnispartner in der Flüchtlingskrise zu verlieren, knickt Merkel vor Erdogan ein, positioniert sich nicht eindeutig und schiebt den schwarzen Peter der Justiz zu.
Überhaupt nicht nachvollziehen kann ich den Standpunkt derjenigen, die nicht verstehen wollen, warum es um diesen Fall so ein Theater gibt, und die Bedeutung dieser Affäre herunterspielen. Vielleicht bin ich paranoid, aber ich finde, es geht hier um nichts weniger als die Verteidigung der Kunst-, Meinungs- und Pressefreiheit als eines der hehrsten demokratischen Güter. Welcher Stein ist hiermit ins Rollen gekommen? Müssen in Zukunft alle Satiriker Strafverfolgung befürchten? (Okay, das mag überspitzt sein, aber wer weiß?) Wie gut, dass ich nur ein kleiner, vergleichsweise unbekannter Liedermacher bin, sonst kämen womöglich noch ein ehemaliger US-Präsident und ein ehemaliger Gelsenkirchener Lokalpolitiker, der nach seiner überdeutlichen Abwahl die parteiinterne Karriereleiter immer weiter heraufgefallen ist, auf die Idee, mich wegen zwei alter Lieder ("Schorschis Lied" und "Die Ballade vom Aufstieg und Fall des Willi Ottke") zu verklagen...

Geschafft!

14 April 2016

Am Sonntag haben wir die Premiere der deutschsprachigen Erstaufführung von "Festgepoppt" am Katielli Theater in Datteln erfolgreich hinter uns gebracht. Und was für eine Premiere das war! Wir haben alle vier eine hochenergetische, rundum perfekte - na gut, fast perfekte, ein wenig Luft nach oben gibt es immer ;-) - Vorstellung hingelegt, und das Publikum hat gejubelt und gelacht. Das Baby ist in der Welt, und wir freuen uns auf zahlreiche Vorstellungen, in die wir nun auch ganz ohne die Anspannung und Ungewissheit hineingehen können, ob das Stück auch ankommt. Ab jetzt macht es nur noch Spaß!
Am Montag wartete dann der Schreibtisch auf mich - und nachdem ich seit Anfang des Jahres praktisch ununterbrochen entweder auf Tour war oder für irgendetwas geprobt habe (und wenn nicht, habe ich mein neues Musical "Friedelinds Wahnfried" komponiert), kann man sich ausmalen, wie die abzuarbeitenden Papierberge sich getürmt haben... Schließlich gilt es nun, für verschiedene kommende Sound of Music-Konzerte Arrangements zu schreiben oder Notenmaterial zu erstellen, kommende Auftritte und Projekte vorzubereiten und nicht zuletzt für das Reading von "Friedelinds Wahnfried" im Mai in Bayreuth zu proben. Sagen wir mal so, Arbeitstage mit pünktlichem Feierabend wird es wohl auf absehbare Zeit erstmal nicht geben. Aber was soll's, morgen darf ich erstmal wieder auf Tour gehen und live spielen. Freitag Merci Chérie in Buchholz, Samstag "Festgepoppt" zum Zweiten, Sonntag Merci Chérie in Lippstadt - das wird wieder ein Spaß!

Premiere!!!

10 April 2016

Und schon ist er da, der Tag, auf den wir im wunderschönen Dattelner Katielli Theater seit Monaten hingearbeitet haben. Mitte Januar rief mich Theaterleiter Bernd Julius Arends an, ob ich nicht Lust hätte, bei der deutschsprachigen Erstaufführung der herrlich schrägen Erfolgs-Musicalkomödie "Festgepoppt" (im Original "Pegados") aus Spanien mitzuwirken. Ich bin so froh, dass wir alles terminlich organisieren konnten, denn mir hat es große Freude gemacht, neben meiner regen Konzerttätigkeit auch mal wieder an einer Theaterproduktion mitzuwirken. Nach Wochen und Monaten der musikalischen Einstudierung, szenischen Erarbeitung und detailverliebter Probenarbeit ging es am Ende dann doch ganz schnell. Diese Woche fanden die letzten Proben statt, diese magischen Momente, wenn alle Elemente einer Produktion endlich zusammenkommen und aus lauter kleinen Puzzlestückchen plötzlich das große Ganze entsteht. Erste Hauptprobe, erstmals mit kompletter Technik, zweite Hauptprobe erstmals vor Publikum (was für ein ganz anderes Energielevel, wenn man mitbekommt, wie die Leute an den richtigen - und ein paar unvorhergesehenen - Stellen lachen und auf das reagieren, was auf der Bühne passiert!), gestern die Generalprobe - und heute Abend wird es ernst. Ihr Lieben, ich habe noch nie bei Proben so viel gelacht wie bei diesem Stück! Ich freue mich sehr, das Baby heute auf die Welt loszulassen! Toi, toi, toi uns allen!

Frohe Ostern

27 März 2016

So, da sind die Feiertage. Ein Viertel des Jahres 2016 ist schon wieder rum. Zeit zum Durchatmen, wenigstens für ein paar Tage. Zeit für uns alle, uns ein wenig auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu besinnen in einer Welt, die immer wirrer wird mit all ihrem Medien-Overkill und ihrem Teufelskreis aus Problemen, mit Flüchtlingskrise, mit im Namen irgendeines Gottes mordenden Terroristen, mit allüberall aus ihren Löchern kriechenden rechten Schlechten, mit einem größenwahnsinnigen russischen Präsidenten und einem US-Präsidentschaftskandidaten, der, sollte er gewählt werden, vielleicht die größte Gefahr für diesen Planeten darstellt, die man sich denken kann. Was ist nur los auf dieser Welt?
Abseits dieser alarmierenden Zustände geben die Feiertage mir persönlich die Gelegenheit, ein paar Tage auszuspannen, abzuschalten und mal nichts zu tun, das auch nur entfernt nach Arbeit riecht. Das ist auch dringend nötig nach den letzten Wochen und Monaten, die sehr anstrengend waren. Aber ich will mich nicht beschweren - ich darf zur Zeit an lauter tollen, ganz verschiedenen Projekten arbeiten, und das noch mit ausnahmslos wunderbaren Menschen. Dafür bin ich sehr dankbar. Was soll man sich mehr wünschen? Von Weltfrieden mal abgesehen? In diesem Sinne: Allen Besuchern dieser Website frohe Ostern und danke für die Treue!

Mach's gut, Präsi!

19 März 2016

Gestern haben wir Elmar Rasch beerdigt. Ein merkwürdiges Gefühl, dass dieses Theaterurgestein, diese Säule der freien Kulturszene im Ruhrgebiet, dieses knorrige, manchmal brummige, aber immer herzliche Original nicht mehr da sein soll. Kennengelernt habe ich Elmar vor zehn Jahren bei der Fußballrevue "06 - Der Kaiser kommt zum Emscherbruch" im Consol Theater Gelsenkirchen. Ich war musikalischer Leiter, er spielte den Präsidenten des heruntergekommenen Amateurvereins, um dessen Geschicke Autor Bernd Matzkowski, Regisseur André Wülfing und ich mit unserem großartigen Ensemble eine insgesamt fünfteilige Fußball-Theater-Serie gesponnen haben. Alle Folgen der Reihe und das Abschlusskonzert 2008 zusammengerechnet, durfte ich 20 Mal mit Elmar auf der Bühne stehen, in einem Zeitraum von zweieinhalb Jahren. Was Schauspiel und Bühnenprofessionalität angeht, habe ich damals, frisch von der Hochschule geflüchtet, viel gelernt. Auch danach sind wir in Kontakt geblieben: Als Kulturjournalist für die WAZ habe ich mehrfach über seine Projekte geschrieben, wir sind uns bei Veranstaltungen der Kulturszene in Gelsenkirchen immer wieder über den Weg gelaufen, ja, ich habe sogar eine komplette Musicalrolle für ihn geschrieben: Um die ungewöhnliche, aber ungeheuer fruchtbare (und Spaß machende!) Verbindung von Profis und Amateuren, die den TSV Emscherbruch zum Leben erweckt hatte, fortzuführen, hatten Bernd, André und ich eine Ruhrpott-Musicalkomödie entwickelt, in der Elmar eine Hauptrolle gespielt hätte. Die für 2010 geplante Uraufführung scheiterte (wie so oft) am Geld. Die Hälfte der (knapp kalkulierten) Produktionskosten hatten wir zusammen, aber dann konnten wir keine weiteren Sponsoren gewinnen. Nun weiß ich nicht, ob wir dieses Stück jemals ans Licht der Welt bringen können - ohne Elmar.
Zwei Wochen vor seinem Tod habe ich ihn, zusammen mit meinem Freund und Komponistenkollegen Michael Walter (auch ein TSV Emscherbruch-Alumnus), im Hospiz besucht. Es war beeindruckend, zu sehen, dass dieser von seiner schweren Krankheit gezeichnete Mann (der schon Jahre zuvor eine fatale Diagnose erhalten, aber stur weit über die ärztliche Prognose hinaus einfach weitergelebt hatte) seinen so trockenen wie selbstironischen Humor trotz allem nicht verloren hatte. Diese tapfere Haltung hätte ich gerne, sollte ich jemals in eine vergleichbare Situation kommen, dafür hast Du meinen höchsten Respekt, Elmar. Du wirst uns fehlen: Deine Kreativität, Deine Herzlichkeit, Deine mahnende Stimme gegen unsere oft so verpeilte Kulturpolitik, Dein unermüdlicher Einsatz für die freie Kulturszene, Deine Theaterleidenschaft. Am Schluss hast Du uns das Versprechen abgenommen, allein weiterzumachen. Wir werden es tun, so gut wir können. Im Gegenzug hast Du versprochen, alles zu beobachten und ab und zu mal einen Blitz im richtigen Moment auf die Erde zu schicken, um bequemen Kulturpolitikern ein wenig Feuer unterm Hintern zu machen. Bitte tu das, es ist zu oft so nötig! Zum Abschied sagtest Du einfach "Bis bald, Jungs". Auch wenn ich mich freuen würde, wenn das Wort "bald" hier relativ zu sehen wäre (Du hast schließlich jetzt eine Ewigkeit Zeit), so hoffe ich doch, dass wir uns irgendwann hinterm Horizont wiedersehen. Und dann machen wir einen drauf und singen wieder gemeinsam unsere TSV-Hymne: You'll never walk alone. Mach's gut, Elmar. Du fehlst.

Merci Chérie zum Zweiten

09 März 2016

Was hatten wir für eine tolle Premiere am Freitag! Keine nennenswerten Pannen, ein gutes Gefühl auf der Bühne und vor allem ein sehr schön zusammengestelltes Programm, das mir immer mehr ans Herz wächst. Und dass Andreas Luketas Konzeption auch beim Publikum bestens ankommt, haben wir am Freitag in Neu-Isenburg erlebt. Es ist ein sehr befreiendes Gefühl, an so einem Abend, wo man ein neues "Show-Baby" auf die Welt gebracht hat, von der Bühne zu gehen. Und heute geht es, nach ein paar (dringend nötigen) Schreibtischtagen und Proben für andere Projekte, gleich weiter: Die berühmt-berüchtigte zweite Show steht in Rüsselsheim an. Zweite Vorstellungen sind irgendwie immer schwierig, man ist noch in Premieren-Euphorie, aber gleichzeitig hat sich das Stück bzw. das Konzertprogramm noch nicht so weit gesetzt, als dass man sich allzu sicher fühlen könnte... Aber ich bin überzeugt, auch unser zweiter Gig auf dieser Tournee wird wieder ein toller Abend. Nicht umsonst haben wir ein rundum großartiges Team aus Solisten, Band, Technikern und Tourmanagement, da kann eigentlich nicht viel schiefgehen. Ein paar kleinere Korrekturen beim Soundcheck vor Ort (schließlich ist so ein Konzertformat nie wirklich fertig, erst recht nicht mit der Premiere; es gibt immer noch ein paar Details zu optimieren), und dann heißt es wieder für zweieinhalb Stunden Abtauchen in die musikalische Welt von Udo Jürgens, die aus so viel mehr besteht als den bekannten Gassenhauern (die wir natürlich auch spielen, macht schließlich Spaß). Ich liebe dieses Programm und freue mich jetzt schon auf all die vielen noch folgenden Konzerte dieser Tour. Danke, Udo!

Merci Chérie - Premiere!

03 März 2016

Seit knapp einem Jahr beschäftige ich mich mit der Vorbereitung (Materialsammlung, Arrangements, Einstudieren, Proben) für die große "Merci Chérie"-Tour von Sound of Music Concerts - und nun ist morgen plötzlich Premiere. Wir hatten diese Woche zwei sehr angenehme, entspannte, produktive Probentage und gehen alle mit einem guten Gefühl in diese Show, die als Verbeugung vor dem musikalischen Erbe des unvergessenen Udo Jürgens konzipiert ist. Ich bin Andreas Luketa, der dieses Konzertformat (wie so viele andere) entwickelt hat, dankbar, dass er neben den Hits und Gassenhauern, die Jürgens im Laufe seiner Jahrzehnte umfassenden Karriere geschrieben hat, auch unbekannteren Chansons viel Platz im Programm eingeräumt hat. Denn eben diese zwei Seiten haben Udos Musik seit jeher ausgezeichnet - die Hitsingles, und ja, die Schlager, aber eben auch die tiefgründigeren, nachdenklichen, anspruchsvollen Songs, die die breite Öffentlichkeit meist gar nicht wahrnimmt. Diese Tour bildet also den Facettenreichtum des Komponisten Udo Jürgens ab (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), und ich bin froh und dankbar, als Arrangeur, musikalischer Leiter und Keyboarder daran teilhaben zu dürfen. Besonders, weil wir mit Rolf-Dieter Mayer Udos Originalbassisten, der seit dreißig Jahren bei jeder Platte und jeder Tour dabei war, an Bord haben (neben unseren anderen fantastischen Musikern Astrid Nägele, Marina Komissartchik, Hannes Kühn und Matthias Plewka). Und natürlich, weil mit Annika Bruhns, Sabine Mayer, Andreas Bieber und Karim Khawatmi ein hochkarätiges Solistenensemble dabei ist. Sie haben allesamt Hauptrollen im Udo Jürgens-Musical "Ich war noch niemals in New York" gespielt und dabei mit ihm selbst gearbeitet. Udos Musik begleitet mich seit mehr als zwanzig Jahren, deshalb liegt mir dieses Programm besonders am Herzen. Ich bin glücklich, diese Tour gemeinsam mit so vielen lieben Menschen und tollen Künstlern bestreiten zu dürfen. Uns allen eine tolle Premiere morgen!

Endlich wieder Theater

21 Februar 2016

"Du musst wahnsinnig sein", singt der unvergleichliche Reinhard Mey in einem Chanson aus den 1980er Jahren, bezogen auf den Beruf des Sängers. Übertragen auf meine derzeitige berufliche Situation, geht mir diese Zeile in den letzten Tagen und Wochen nicht aus dem Kopf: Ich bin so wahnsinnig, in die letzten Lücken eines ohnehin schon sehr geschäftigen ersten Halbjahrs 2016 noch eine Musicalproduktion zu quetschen, die mir aus heiterem Himmel angeboten wurde. Und was habe ich mich darüber gefreut! Nicht nur, dass ich schon lange mal wieder an einer Theaterinszenierung arbeiten wollte (denn bei aller Liebe für die vielen tollen Konzertprogramme, an denen ich mitwirken darf - für das Theater schlägt doch ein riesengroßer Teil meines Musikerherzens), nicht nur, dass ich schon lange mal wieder im wunderschönen, kostbaren KatiElli-Theater von Bernd Julius Arends in Datteln arbeiten wollte - das Angebot, die deutsche Erstaufführung des spanischen Musicalhits "Pegados" bzw. "Festgepoppt" zu spielen, war einfach zu verlockend. Welch ein Glück, dass wir die Produktion rund um meine bereits fixen Proben und Konzerte terminieren konnten! Dafür bin ich Bernd und den Solisten Rosaly Oberste-Beulmann und Fin Holzwart sehr dankbar. Und nun liegt schon die erste Probenwoche hinter uns. Was haben wir für einen Spaß mit dieser unsagbar lustigen, komplett durchgeknallten Show, die bei allem überdrehten Humor aber zugleich auch eine extrem clever gemachte Parodie auf alle Mainstream-Musicals ist. Inklusive heiterem Zitate-Raten. Leute, holt Euch Karten, es lohnt sich! Schließlich gebe ich hier als klavierspielender Doktor quasi mein offizielles Debüt als Musicaldarsteller. ;-)
Gut, dass das alles so einen Spaß macht, denn die logische Folge ist natürlich, dass alles, was ich sonst so zu tun habe (zum Beispiel ein neues Musical zu komponieren), abends/nachts und an Wochenenden stattfinden muss. Die Vorbereitungen zu "Festgepoppt", zur "Merci Chérie"-Tour und zu besagter Uraufführung (ja, ich möchte ja auch endlich die Katze aus dem Sack lassen... darf ich aber vertraglich noch nicht...) laufen so quasi parallel. Aber morgen heißt es erstmal wieder: Auf nach Hollywood zum letzten "Hollywood Nights"-Konzert für einige Zeit. Das ist ja quasi wie ein Tag Kurzurlaub bei meinem momentanen Workload. Umso mehr freue ich mich darauf, mit all diesen lieben Menschen das Haus zu rocken!

Ein typischer Tag

11 Februar 2016

Manchmal fragen mich Freunde, die einer "normalen", geregelten Tätigkeit nachgehen, was ich eigentlich den ganzen Tag so mache. Also bitte, hier einmal der Ablauf eines durchschnittlichen Tages, wie sie derzeit bei mir aussehen. Nehmen wir als Beispiel - heute. Um 8 Uhr klingelt der Wecker (ja, das ist einer der ganz großen Vorteile des Freiberuflers: wenn andere schon auf der Arbeit sitzen, erst aufstehen zu müssen; dafür arbeiten wir natürlich abends oft länger). Die erste halbe Stunde des Tages verbringe ich damit, mich mit meinen diversen Erkältungssymptomen herumzuschlagen (natürlich hat mich mal wieder, warum auch nicht, zum ungünstigsten Zeitpunkt aller ungünstigen Zeitpunkte eine dicke Bronchitis erwischt - es leben die Antibiotika und meine Frau, die mich trotzdem erträgt). Dann folgt die übliche Kommunikations- und Informationsrunde online, bevor ich mich um kurz vor 10 Uhr ins Auto setze und mal eben 120 Kilometer hin und zurück fahre, um ein Stagepiano aus der Reparatur zu holen, das (natürlich!) genau dann kaputtgeht, wenn es in wenigen Tagen dringend für anstehende Proben und Konzerte gebraucht wird und das (natürlich!) schon so alt ist, dass der einzige halbwegs erreichbare Mensch, der in der Lage ist, aufgrund eines gewissen Vorrats an Ersatzteilen das Problem binnen kürzester Zeit zu beheben, am Niederrhein sitzt. Immerhin kann ich versuchen, die Autofahrt zu diversen Telefongesprächen zu nutzen. Leider geht keiner ran. Um 12 bin ich zurück in meinem Arbeitszimmer und setze mich mit meinem Frühstück und dem zweiten Becher Kaffee des Tages ans Klavier, um zum x-ten Mal das Programm des übermorgen anstehenden Musicalkonzerts im Ruhrcongress komplett durchzuspielen. Natürlich kann ich das alles schon längst, aber ich leide seit jeher unter der Zwangsneurose, mich so perfekt wie irgend möglich auf jeden Gig vorbereiten zu wollen. Und dazu gehört, wie in diesem Fall, das jeweils anstehende Repertoire quasi zu "trainieren". Unterbrochen wird diese dreistündige Probe-Einheit von der Mittagsrunde mit meinem Hund. Anschließend, gegen 15:15, geht es an den Schreibtisch, wo mehrere Arrangements für die bevorstehende "Merci Chérie"-Tour zu bearbeiten und entsprechend neue Noten für alle Beteiligten zu erstellen sind, da diverse Tonarten angepasst werden müssen. Um 17 Uhr dann zur nächsten Übungseinheit, denn direkt nach dem großen Konzert am kommenden Samstag und parallel zu den Proben und ersten Konzerten von "Merci Chérie" hat sich ein weiteres Engagement ergeben, über das ich in den nächsten Tagen berichten kann... Jedenfalls will noch ein ganzes Musical durchgespielt werden. Kurz vor 19 Uhr dann der Rückruf eines Auftraggebers, den ich während meiner morgendlichen Autofahrt versucht hatte zu erreichen (s.o.) und das entsprechende organisatorische Gespräch, dann schnell eine Kleinigkeit essen, und nun sitze ich um kurz vor 20 Uhr hier und schreibe diesen Blogeintrag, während ich mir meinen Feierabendwhisky genehmige. Was ich heute nicht geschafft habe und eigentlich hätte schaffen müssen: Eine CD für die nächste Ausgabe des Fachmagazins "musicals" zu rezensieren (mache ich dann morgen), weiter an meinem neuen Stück zu komponieren (mache ich entweder morgen, heute Nacht oder am Wochenende), endlich mal wieder das überquellende Ablagefach auf meinem Schreibtisch auszusortieren (mache ich eventuell Ostern, vielleicht auch Weihnachten). Nichtsdestotrotz mache ich jetzt Feierabend und schaue mir mit meiner Frau "Die Sopranos" auf DVD an. Auch so ein Vorteil des Freiberufler-Daseins - ich arbeite gerne, ich arbeite auch gerne viel, aber ich kann zugleich jederzeit entscheiden, wann ich Schluss machen möchte. Jetzt zum Beispiel. ;-)

Ein zärtliches Gefühl

07 Februar 2016

Sorry, wenn ich an dieser Stelle mal (wieder) etwas philosophisch werde. Aber mir geht seit Wochen ein Satz im Kopf herum, den eine liebe Kollegin im Gespräch über einen Dritten, nicht Anwesenden äußerte: "Ich habe ein zärtliches Gefühl für ihn." Ob nun als bewusstes Zitat des wunderschönen alten Herman Van Veen-Chansons "Ich hab ein zärtliches Gefühl" oder nicht: Diese Aussage ist so schön und so treffend für so viele Menschen, die einem nahe stehen. Es ist kein "Ich liebe ihn/sie" (das sollte für den Lebenspartner, für die Kinder, allenfalls andere enge Familienmitglieder reserviert bleiben), aber es ist so viel mehr als "ich mag ihn/sie" oder "ich kann sie/ihn gut leiden". Ich mag viele Menschen (und noch mehr nicht, zugegeben), aber für viele meiner Freunde (und auch für einige besonders liebe Kollegen) hege ich eben auch "ein zärtliches Gefühl", das über oberflächliches "Mögen" oder "Sich-sympathisch-finden" hinausgeht. Was folgere ich für mich daraus? Erstens: Unsere Sprache bietet so schöne, reichhaltige Bilder und Nuancen, um Dinge und Sachverhalte präzise auszudrücken - kein Wunder, dass ich Texten auf Deutsch mehr und mehr als immer neue große Herausforderung empfinde und doch eigentlich in keiner anderen Sprache schreiben möchte. Zweitens: In aufgewühlten, zorn-, angst- und hasserfüllten Zeiten wie diesen ist jedes zärtliche Gefühl, das ein Band zwischen Menschen knüpfen kann, kostbarer und wertvoller denn je. Drittens: Ich muss unbedingt mal wieder meine Herman Van Veen-Alben raussuchen. In diesem Sinne wünsche ich Euch allen vom Schreibtisch aus einen schönen Restsonntag!

Unterwegs

22 Januar 2016

Gestern fragte mich ein Freund am Telefon, wie es denn so ginge und wie mein Wochenende war. Als ich ihm davon erzählte (Samstagmorgen im Tourbus runter nach Stuttgart, Proben, am Sonntag wieder Proben, abends Konzert, nach dem Konzert direkt wieder in den Bus und durch die Nacht zurück ins Ruhrgebiet, wo am nächsten Morgen gleich wieder Proben für das nächste Konzertprogramm anstanden), schlackerte er ein wenig mit den Ohren und bedauerte mich, was für ein Stress das doch sei. Mal ganz davon abgesehen, dass es a) durchaus schon stressigere Tourneephasen gab und dass der Freund b) ebenfalls als Gymnasiallehrer mit Halbjahreszeugnissen, Notenkonferenzen, Sprechtagen etc. gerade selbst gut ausgelastet ist, gibt es keinen Grund, mich zu bedauern: Ich liebe diesen Beruf, mag eben genau diesen Wechsel aus Schreibtischphasen und Zeiten, in denen man viel unterwegs ist. Die langen Autobahnfahrten genieße ich - oft sind es Zeitinseln, in denen man nicht viel mehr tun muss (und kann), außer ab und zu die Mails auf dem Tablet zu checken; Zeiten, in denen man die Gedanken schweifen lassen und ein wenig abschalten kann.
Dann bringt jedes Konzert Wiederbegegnungen mit lieben Kolleginnen und Kollegen, die man teils schon lange nicht mehr gesehen hat. Dass wir diesmal einen ganzen Tag vor dem Konzert zum Proben hatten, war ein ungewohnter Luxus, der es uns erlaubte, abends noch in Ruhe im Hotel zu sitzen und wirklich gute, anregende, nachdenkliche, aber auch lustige Gespräche zu führen. Und live zu spielen ist sowieso das Beste, was dieser Beruf uns geben kann, das habe ich ja in den letzten Monaten schon öfter geschrieben. Auch wenn ich immer ein Verfechter der Unterhaltung mit Anspruch war (und nach wie vor bin), lerne ich, je verrückter, bedrohlicher und unübersichtlicher diese unsere Welt von Tag zu Tag wird, den Eskapismus-Faktor immer mehr zu schätzen: Man darf es nicht unterbewerten, dem Publikum (und ja, auch sich selbst) für zwei, drei Stunden die Möglichkeit zu geben, abzuschalten, die Sorgen und Ängste draußen vor der Tür zu lassen und die inneren Akkus ein wenig aufzuladen.
So freue ich mich nach Tagen voller Musik (Eurovision-Gala, Proben für die "Superstars des Musicals", meine eigenen Vorbereitungen für die kommenden Konzerte etc.) nun zwar auf ein ausnahmsweise mal komplett freies Wochenende - aber ebenso freue ich mich darauf, am Montag in Gießen wieder mit vier großartigen Sängern und meinen grandiosen Bandkollegen in Gießen auf der Bühne zu stehen und das Haus mit den "Meilensteinen der Popgeschichte" zu rocken. Über konzeptlose Politik, eine sich beängstigend verändernde Gesellschaft und überbordende menschliche Dummheit kann ich mich dann später immer noch aufregen.

Die ersten Live-Gigs

15 Januar 2016

Morgen geht es wieder los: Der Tourbus fährt nach Stuttgart-Filderstadt, wo wir morgen eine Wiederaufnahmeprobe für die Eurovision-Gala am Sonntag in der Filharmonie haben. Die Winterpause ist damit endgültig vorbei - wobei ich schon seit zwei Wochen wieder "in Action" bin. Schließlich wollen für die nächste Zeit vier Konzerte mit jeweils komplett unterschiedlichem Programm vorbereitet werden. Und die "Merci Chérie"-Tournee steht gleich danach ab Anfang März in den Startlöchern... Also sitze ich derzeit viel am Klavier, studiere neue Parts ein oder rufe mir altbekannte wieder in Erinnerung. Darunter auch Songs, die ich schon zig Mal gespielt habe - aber erstens bin ich der Überzeugung, dass Üben eben nicht feige ist, sondern sich Songs mit jedem Mal Durchspielen immer weiter festigen und im motorischen Gedächtnis der Hände verankern, und zweitens habe ich die (wie meine Frau sagen würde) "Zwangsstörung", vor jedem Konzert (außer bei Tourneen, wo man zwischendrin keine anderen Programme spielt) das jeweilige Repertoire wenigstens einmal komplett durchzuarbeiten, egal wie oft ich es in der Vergangenheit schon gespielt habe. Wenn dann irgendetwas auf der Bühne schief geht, brauche ich mir zumindest keine Vorwürfe zu machen, nicht alles für dieses spezifische Konzert gegeben zu haben. Denn jedes Konzert ist das wichtigste.
So betrachtet ist es dann auch kein Wunder, dass die ersten beiden Wochen des neuen Jahres schon wieder so schnell verflogen sind, zumal ich ja "nebenbei" auch noch fleißig komponiere und den üblichen Orga-Kram erledige. Hinter den Kulissen tut sich einiges, und ich würde zu gern schon Details über ein gewisses Ereignis im Mai verraten - aber ich muss noch die offizielle Ankündigung der Veranstalter abwarten. Aber die Hauptsache ist doch, dass es dieses Jahr definitiv neue Musik von mir geben wird. Wann und wo wird dann zur gegebenen Zeit verraten. ;-)
So, jetzt mache ich mich aber daran, meine Sachen für das Tourwochenende zusammenzupacken. Ich freue mich auf alle Solisten und das gesamte Team von Sound of Music Concerts! Lasst uns gemeinsam in diesen verrückten, schwierigen, konfliktbeladenen Zeiten unserem Publikum ein wenig Freude schenken.

Alle Jahre wieder...

02 Januar 2016

...kommt mein Jahresrück- und -ausblick. Und diesmal, anders als im Fernsehen, wo schon Ende November die ersten einschlägigen Formate laufen, wo doch noch ein ganzes Zwölftel des aktuellen Jahres erlebt werden will, resümiere ich tatsächlich auch erst dann, wenn das alte Jahr wirklich rum ist. 2015 ist unwiderruflich Geschichte. Gut so, denn es war ein anstrengendes, vor allem privat, aber auch beruflich von Negativem geprägtes Jahr. Das fing buchstäblich an Neujahr 2015 an, als mich spontan eine schwere Grippe für mehrere Wochen ausschaltete, in denen ich nur notdürftig im Autopilot-Modus funktionierte, setzte sich fort über Rechtsstreitigkeiten mit lieben alten Feinden und einen unnötigen Autounfall, dessen Folgen mich vier Monate lang jede Menge Zeit, Kraft und Nerven kosteten, und erstreckte sich bis hin zum allerletzten Tag des Jahres, als kurz vor dem Aufbruch zur Silvesterparty noch eine unschöne berufliche Nachricht ins Haus flatterte. Gut, dass ich meine wunderbare Frau an der Seite habe, die mir zuverlässig in jeder Krise den Rücken stärkt. Verstärkung hat auch unsere Familie bekommen, in Gestalt unseres mittlerweile über ein Jahr alten schwarzen Labrador-Rüden Dobby, der seit Ende Januar unser Leben auf den Kopf stellt und jeden Tag aufs Neue unendlich bereichert. (Aber da Dobby schon 2014 geboren wurde, ist er eigentlich nicht in der Positiv-Spalte im Jahrbuch 2015 zu vermerken.)
Beruflich gibt es (neben Unschönem wie dem Zerbrechen oder eher Im-Sande-Verlaufen langjähriger Kooperationen, dem ewigen Kampf um faire Bezahlung oder der Erfahrung, bereits fest für eine Tournee gebucht zu sein, um zwei Tage später dann doch ausgetauscht zu werden) zum Glück auch viel, wofür ich dankbar bin: Viele wunderschöne musikalische Erlebnisse mit liebgewordenen Kollegen, zahlreiche erfolgreiche Projekte und Tourneeprogramme. 2015 sah auch gleich zwei meiner bislang größten Auftritte: Mit "Hollywood Nights" vor über 3000 begeisterten Zuschauern im Bochumer RuhrCongress sowie im September als Dirigent des Sound of Music-Chores bei der Aufführung von "Kolpings Traum" in der mit 15000 Menschen prall gefüllten Lanxess Arena in Köln. Der Wahnsinn! Nicht zu vergessen auf der musikalischen Habenseite: Zwei Benefizkonzerte für Kinderhilfsprojekte, die ich im Frühjahr binnen relativ kurzer Zeit auf die Beine gestellt habe und für die ich von zahlreichen lieben Freunden und Mitstreitern eine unglaubliche Unterstützung erfahren habe. An dieser Stelle Euch allen nochmal ein großes Dankeschön, ohne Euch hätte das nicht funktioniert! Als unmittelbare Nachwirkung dieser Konzerte habe ich den mit Dirk Schattner geschriebenen Song "Hast du mich geseh'n" (nebenbei mein einziger neuer Solo-Song in 2015, einem kompositorisch leider etwas dürftigen Jahr - aber da wird 2016 definitiv besser, siehe unten...) als kostenlose Download-Single veröffentlicht und bin damit erstmals in die Liederbestenliste aufgenommen worden. Eine Anerkennung, für die ich dankbar bin und die mich motiviert, meine Soloaktivitäten trotz aller Widrigkeiten nicht einzustellen.
Und nun - 2016? Was kommt, was wird? Hinter den großen politischen und gesellschaftlichen Fragen, die es derzeit für uns alle in Europa und der ganzen Welt zu lösen gilt (primär meine ich hier natürlich die Problematik, wie wir mit dem immensen Flüchtlingsstrom auf gerechte und menschliche Weise umgehen können, während wir gleichzeitig dem menschenverachtenden, verblendeten islamistischen Terror die Stirn bieten müssen), verblassen tatsächlich die kleinen persönlichen Sorgen und Probleme, und uns allen sollte mal wieder bewusst werden, wie verdammt gut es uns doch letztlich in diesem Teil der Welt geht. Von daher bin ich schon damit zufrieden, wenn 2016 etwas weniger Ärger, Stress und unnötige Nervereien bereithält, dafür vielleicht ein wenig mehr Gesundheit und ein paar glückliche Momente mehr. Danach will ich in den kommenden Monaten aktiv suchen. Das schließt auch ein, weiter daran zu arbeiten, mein Arbeitspensum auf ein vernünftiges Maß zu beschränken und dafür lieber auf ein paar Jobs, die ich bisher zu Dumping-Preisen gemacht habe, zu verzichten. Wenn der Stress und die Überarbeitung sich auf Gesundheit und Leistungskraft auswirken, ist es allerspätestens Zeit zum Handeln. Erste Schritte habe ich getan, indem ich einen meiner Chöre notgedrungen aufgegeben und in den vergangenen Wochen und Monaten auch den einen oder anderen Auftrag abgelehnt habe. 2016 möchte ich diesen Weg der Fokussierung und Optimierung weiterführen. Musikalisch stehen, nach allem, was sich derzeit abzeichnet, besonders drei große Projekte im Fokus: Die "Merci Chérie"-Tournee von Sound of Music Concerts, mit der wir ab Anfang März in Deutschland und Österreich unterwegs sind und auf die ich mich sehr freue, sowie gleich zwei neue Musiktheaterprojekte mit dem Regisseur und Autor Dirk Schattner. Ich habe den Eindruck, dass sich bei mir jede Menge Musik und kompositorische Energie aufgestaut hat, die in den letzten ein, zwei Jahren mangels Zeit nicht raus durfte. Jetzt kann ich sie gut gebrauchen. Ich hoffe sehr, dass ich hier bald über zumindest eines der beiden neuen Stücke etwas konkreter schreiben kann.
Auf jeden Fall, wie immer an dieser Stelle: Danke allen Lesern und Besuchern dieser Seite für Eure Treue, für Euer Interesse an meiner Arbeit und meiner Musik und dafür, dass wir nun schon eine ganz schöne Wegstrecke gemeinsam zurückgelegt haben. Es geht weiter, und es würde mich freuen, wenn Ihr mir auch die nächsten Jahre über die Treue haltet! In diesem Sinne ein frohes, glückliches, erfolgreiches, gesundes und friedliches neues Jahr 2016!

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