Weihnachten

23 Dezember 2015

So kurz vor Weihnachten ist es doch eine unglaubliche Wohltat, zwischen all den Hiobsbotschaften auch einmal eine gute Nachricht zu lesen: Bei einem Angriff islamistischer Milizen auf einen mit Muslimen und Christen besetzten Bus in Kenia haben die Muslime die Christen vor den radikalen Terroristen beschützt, die Frauen mit Schleiern verkleidet und durch ihr konsequentes Demonstrieren von Solidarität, Zusammenhalt und Menschlichkeit die Verbrecher letztlich in die Flucht getrieben. Könnten wir uns doch alle ein Scheibchen davon abschneiden... Mit großer Sorge müssen wir die Vorgänge in diesem unserem Lande, bei allen unbestritten existenten subjektiven Sorgen und Nöten noch immer eine der reichsten westlichen Industrienationen, beobachten: Da flüchten Abertausende von Menschen aus von Krieg und Terror verwüsteten Ländern, sie brauchen dringend unsere Hilfe, und wir Deutschen haben nichts Besseres zu tun, als uns gegenseitig an die Gurgel zu gehen, anstatt gemeinsam anzupacken und die zweifellos großen Herausforderungen zu bewältigen.
Das rechte Pack kriecht aus seinen Löchern und nutzt furchtbare Verbrechen wie die Terroranschläge von Paris für seine infame Anti-Asyl-Propaganda; die extremen Linken instrumentalisieren die Vorkommnisse ebenfalls, wittern in allem, was nicht ihrer Meinung entspricht, gleich eine Verschwörung und stoßen Menschen, die versuchen, ein wenig ausgeglichene Besonnenheit in die Diskussion zu bringen, vor den Kopf. Und die in der Mitte? Bestenfalls sehen sie differenziert, dass man selbstverständlich nicht alle Flüchtlinge aus islamisch geprägten Ländern über einen Kamm scheren darf, dass die allermeisten dieser Menschen in friedlicher Absicht und aus aufrichtigem Hilfsbedürfnis in unser Land kommen und jeder Hilfe bedürfen (und diese verdienen), die wir irgend leisten können; sie sehen aber auch, dass die radikal-islamischen, verblendeten Verbrecher natürlich die Flüchtlingsströme nutzen, um Waffen und Kämpfer zu ihren Einsatzorten im Herzen Europas zu schmuggeln, und sie sehen ebenfalls, dass es gerade in Ballungszentren wie dem Ruhrgebiet seit Jahren gewaltige Integrationsprobleme gibt, teils hausgemacht, teils resultierend aus der fehlenden Bereitschaft junger Migranten, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Das führt nicht nur zu immer größeren Problemen im sozialen Zusammenleben und zu einer zunehmend aggressiven Grundstimmung in unseren Städten, sondern teilweise schon zur Bildung von Parallelgesellschaften, wo sich die Polizei schon nicht mehr in ganze Stadtviertel traut und diesbezüglich unlängst einen Hilferuf ans Landesinnenministerium richtete.
Wie können wir nun angesichts dieser beunruhigenden Entwicklungen reagieren? Ich weiß es nicht, ich mache mir Sorgen und befürchte auch in Deutschland (wie in einigen europäischen Nachbarstaaten bereits zu beobachten) einen politischen Rechtsruck. Das müssen wir mit allen Kräften verhindern. Natürlich ist auch der Staat gefragt, härter gegen Verbrecher, Terroristen und radikale Organisationen vorzugehen, um die eigenen Bürger zu schützen. Das wird eine der größten Herausforderungen an unsere Politik in der unmittelbaren Zukunft sein, hier einen gangbaren, gerechten Weg zu finden. Derweil können wir aber alle bei uns selbst anfangen - indem wir zusammenstehen, indem wir Frieden, Toleranz und Menschlichkeit vorleben. Und wenn es nur durch ein Lächeln hier, ein freundliches Wort dort geschieht. Klingt banal, hilft aber meiner eigenen Erfahrung nach enorm, ein angenehmes, freundliches, offenes Klima zu schaffen. Und das funktioniert immer. Nicht nur an Weihnachten. Aber das wäre doch ein schöner Anlass, damit anzufangen.

Respekt

20 Dezember 2015

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "musicals - Das Musicalmagazin" sagt der britische Tänzer, Choreograf und Regisseur Adam Cooper den schönen Satz: "Wenn man Menschen respektvoll führt, bekommst du diesen Respekt ebenfalls von den Darstellern zurück." Dies ist im Grunde eine hervorragende Zusammenfassung auch meiner eigenen Arbeitsweise und festen Überzeugung: Wann immer ich in verantwortlicher Position, z.B. als Musical Director eines Tourprogramms oder einer Bühnenproduktion, mit Menschen arbeite, bringe ich ihnen zunächst einmal Freundlichkeit und Respekt entgegen. Dasselbe erwarte ich umgekehrt auch von allen Beteiligten. Warum auch nicht? Wir sind allesamt Profis und haben im besten Fall unsere Hausaufgaben gemacht, indem wir uns auf unsere jeweiligen Rollen akribisch vorbereitet haben. Leider sieht die Wirklichkeit manchmal anders aus. Doch auch, wenn jemand unvorbereitet ist und seinen Text nicht kann oder seine Instrumentalparts noch nicht beherrscht, sehe ich keinen Sinn darin, gleich ausfallend zu werden. Der oder die Betreffende weiß selbst genau, was Sache ist. Laut oder autoritär werde ich in der Regel nur dann, wenn jemand kontinuierlich die von ihm erwartete Leistung nicht abruft, damit für alle den Betrieb aufhält und dabei dann noch renitent wird. Das kommt zum Glück selten vor. (Okay, auch bei Chorproben mit dreißig durcheinanderquasselnden Menschen muss ich manchmal lauter werden, aber das ist wieder eine andere Geschichte...)
Mit dieser Arbeitsphilosophie bin ich die meiste Zeit in meiner bisherigen Laufbahn sehr gut gefahren. Viele Musiker und Sänger haben mir bereits attestiert, dass von mir geleitete Proben entspannt, zugleich aber zielführend und produktiv seien. Ich bin fest davon überzeugt, dass die besten Ergebnisse dabei herauskommen, wenn jeder Musiker, jeder Sänger in einem angenehmen Arbeitsklima seine eigenen spezifischen Talente und Fähigkeiten in das Projekt einbringen kann. Ich muss nicht jedem bis ins Detail vorschreiben, was er zu tun hat. Es reicht, wenn ich das Gesamtbild im Blick behalte. Für mich ist es selbstverständlich, so zu arbeiten. Es gibt allerdings auch Kollegen, die mit dieser meiner Art, eine Produktion zu leiten, überhaupt nicht klarkommen. Das ist natürlich normal, man kann eben nicht mit allen Menschen gleich gut. Kritisch wird es, wenn man, wie es mir einmal vor Jahren passiert ist, aus einem Projekt gefeuert wird, weil man den beteiligten Künstlern (Zitat) "zu freundlich und respektvoll" begegnet sei. Ganz ehrlich: Auf Kollegen, die es nötig haben, dass man sie wie ein A....loch behandelt, damit sie den Job machen, für den sie bezahlt werden, kann ich gut verzichten. Mir wurde damals gesagt, ich würde daraus lernen und mir würde das wahrscheinlich niemals wieder passieren. Richtig ist: Bis heute ist mir das nicht wieder passiert. Falsch ist: Gelernt habe ich daraus nichts, bzw. ich habe nichts geändert. Von solchen Erlebnissen lasse ich mich nicht von meiner Überzeugung abbringen, dass ein respektvolles Miteinander, ein freundliches und gleichberechtigtes Arbeitsklima, in dem sich der MD lediglich als Primus inter pares betrachtet, die bestmöglichen Leistungen aus allen Beteiligten herausholt und somit die Qualität des Endprodukts am besten sichert. Übertragen auf andere Berufe oder, weiter gefasst, auf das ganze gesellschaftliche Klima würde es sicherlich auch nicht schaden, wenn wir einander mit mehr Respekt begegnen würden. Das müsste dann aber den jungen Generationen erst wieder mühsam beigebracht werden, scheinen mir doch viele (desinteressierte?) Eltern und viele (überforderte?) Lehrer in diesem Punkt zu versagen. Aber auch das ist wieder ein ganz anderes Thema...

Neue Solo-CD?

11 Dezember 2015

Dieser Tage fiel mir auf, dass die Veröffentlichung meines zweiten Solo-Albums "Weiter geh'n" auch schon wieder vier Jahre her ist. Wenn man sich die Zeitspanne zwischen dem Debüt "Hinterm Spiegel" von 2007 und dem Nachfolger von 2011 anschaut, wäre es also turnusmäßig spätestens dieses Jahr wieder Zeit gewesen für eine neue CD. Und es gibt immer wieder treue Fans und Weggefährten, die mich fragen, wann denn eine dritte Platte kommt. Ursprünglich hatte ich ja gehofft, schon 2014 ein neues Solo-Album zu produzieren. Da kam die CD zur Rockoper "Ein Lied von Freiheit" dazwischen, in die ich jede Menge Geld investiert habe, das sich leider noch nicht amortisiert hat. Im Grunde gibt es derzeit zwei Gründe, die gegen die Produktion eines neuen Albums stehen: Die Zeit (ich bin durch meine zahlreichen anderen Aktivitäten einfach zu stark eingebunden) und das Geld - eine CD-Produktion ist immens teuer, wenn sie vernünftig und professionell sein soll. Homerecording ist für mich keine Option mehr, so sind mehr oder weniger meine ersten beiden Alben entstanden, und auch wenn ich die Lieder noch immer mag, würde ich mit der Erfahrung von heute vieles anders machen, vor allem bei der ersten Scheibe (aber das geht natürlich vielen Künstlern mit ihrem alten Output so, man lernt ja stetig dazu und entwickelt sich weiter).
Es müsste also schon ein Tonstudio sein, zumal ich mir eine weitere "Solo-CD" im Wortsinn (also nur ich allein an Stimme und Instrument) momentan nicht mehr wirklich vorstellen kann, dazu macht mir die Arbeit mit einer Live-Band viel zu großen Spaß. Die Musiker habe ich auch, nur nicht das Geld, um sie anständig zu bezahlen. Und wir alle haben kaum die Zeit, gemeinsam zu proben. Wir müssen ja alle irgendwie unsere Rechnungen begleichen, und aus dem "Jung-und-sorgenfrei"-Alter, in dem man einfach in den Tag hineinlebt, Musik macht und nebenbei jobbt, sind wir auch leider raus, schließlich haben viele von uns eine Familie zu ernähren. Auch über Crowdfunding habe ich schon nachgedacht, nur ist ein immenser Zeitaufwand erforderlich, um so ein Projekt richtig zu promoten, den ich alleine nicht leisten kann. Also muss das Projekt "Dritte Platte" leider mal wieder aufgeschoben werden. Dabei habe ich ein komplett konzipiertes Album mit noch nicht auf Tonträger erschienenen Songs fix und fertig in der Schublade, viele weitere Lieder existieren oder warten als Ideen und Skizzen auf den Seiten meiner Notizbücher darauf, ausgearbeitet und geschrieben zu werden. Sollte sich also ein Sponsor finden, der bereit ist, die Aufnahmen zu finanzieren, einfach weil er Chansons und/oder Singer/Songwriter-Musik mag (oder weil er von meiner Musik überzeugt ist), darf er sich gern bei mir melden. ;-) Im Ernst: Ich würde lieber heute als morgen wieder ins Studio gehen, da ist zuviel Material, das mir unter den Nägeln brennt. Aber 2016 wird erstmal wieder Theater gemacht, danach sehen wir weiter.

Raum schaffen

08 Dezember 2015

Das war es also, mein letztes Konzert mit "Gospel After Eight". Am vergangenen Sonntag haben wir nochmal ein Programm mit einem bunten Querschnitt der Lieder, an denen wir in den vergangenen drei Jahren gemeinsam gearbeitet haben, gespielt und dabei angesichts des Datums (Nikolaus) und zahlreicher Konkurrenzveranstaltungen ein beachtlich großes Publikum angezogen. Ich freue mich, dass diese nicht allzu lange, aber (hoffentlich) fruchtbare Zusammenarbeit mit einem so schönen Konzert abgeschlossen wurde, bei dem alle Sängerinnen und Sänger noch einmal alles gegeben haben. (Ich auch. Inklusive des wahrscheinlich lustigsten Verspielers des gesamten Jahres.) Ich hoffe, mit meiner Arbeit diesen Chor ein wenig weitergebracht und schöne Impulse gegeben zu haben. Meinem Nachfolger Matthias Müller wünsche ich viel Erfolg für die weitere Arbeit und dem Chor weiterhin viel Power und vor allem Freude am Singen!
Ich wurde gefragt, was ich denn nun mit der gewonnenen Zeit mache? Nun, zunächst merke ich nicht viel davon... Auch nicht davon, dass ich letzte Woche zwei große Arrangement-Projekte abschließen konnte. Denn jetzt muss ich erstmal aufarbeiten, was liegen geblieben ist, die ersten Auftritte im Neuen Jahr vorbereiten, und in erster Linie bin ich wieder dabei, zu komponieren. Ich arbeite mit dem großartigen Autor und Regisseur (und lieben Freund) Dirk Schattner an gleich zwei neuen Musicals, von denen eines, wenn alles gut geht und wir die Finanzierung gestemmt kriegen, 2016 uraufgeführt werden soll, das zweite soll zumindest in einem Reading präsentiert werden. Und um diese beiden Stücke schreiben zu können, muss ich nun einmal Raum schaffen, wozu wiederum gehört, dass ich schweren Herzens auch mal eine Anfrage absagen oder (wie im Fall von "Gospel After Eight") eine bestehende Zusammenarbeit beenden muss. Meine Tage haben schließlich auch nur 24 Stunden, selbst wenn ich die Nacht dazu nehme. ;-)
Ich hoffe, zu den beiden geplanten Uraufführungen ganz bald die ersten konkreten Infos veröffentlichen zu können! Bis dahin wünsche ich allen Besuchern dieser Seite eine schöne, besinnliche und vor allem friedliche Adventszeit.

Nachbetrachtung

15 November 2015

Was war das gestern für ein Abend im Ebertbad Oberhausen mit "Hollywood Nights"! Wir sind mit diesem Programm ja schon seit zwei Jahren immer wieder mal unterwegs, aber nun hatten wir die Show ungefähr neun Monate nicht gespielt. In der Zwischenzeit hat jeder Sänger, jeder Musiker natürlich zig andere Sachen gemacht, andere Texte gelernt, andere Noten gespielt. Da ist es, auch bei erstklassigen Solisten und ausgemachten Profi-Musikern, nicht immer selbstverständlich, dass nach so einer langen Pause alles sofort reibungslos funktioniert. Aber es war ein wunderschönes Konzert, in dem fast alles stimmte, nicht zuletzt dank eines fantastisch aufgelegten Publikums, das uns mit sehr viel Wärme und Liebe durch den Abend getragen hat. Ich hatte gleich mehrere von diesen magischen Momenten, die ich auf der Bühne immer suche, kleine Inseln in Zeit und Raum, wo nichts mehr existiert außer dem Augenblick und der Musik, die man gerade gemeinsam spielt. Dafür möchte ich allen Besuchern des gestrigen Konzerts ebenso danken wie unserer wunderbaren Tourfamilie: Allen beteiligten Sängern, den Technikern und dem Organisationsteam und natürlich einmal mehr unserer Band, die nach all den Jahren nicht mehr wie ein Kollektiv aus fünf individuellen Musikern spielt, sondern wie eine gewachsene Einheit.
Für mich war dieses Konzert auch deswegen speziell, weil es nicht immer einfach ist, nach Ereignissen wie den Terroranschlägen von Paris auf die Bühne zu gehen und zu versuchen, gute Laune und Spaß zu verbreiten. Aber andererseits: Gibt es einen besseren Weg, dem verblendeten, hasserfüllten, abscheulichen Tun dieser unter dem fadenscheinigen Deckmantel der Religion agierenden Verbrecher entgegenzutreten, als gemeinsam etwas Licht und Freude in die Welt zu bringen und weiterzugeben? Gemeinsam für andere Menschen Musik zu machen, diese einzige alle Grenzen überschreitende Sprache sprechen zu lassen? Die ganzen Idioten, die jetzt wieder auf die sogenannten "Gutmenschen" schimpfen, weil die ja mitverantwortlich für Anschläge wie die von Paris seien (wtf?), werden natürlich einwenden, mit Musik oder einem Lied könne man die Welt nicht verändern. Ich sage: Doch, kann man. Man kann sie ein bißchen schöner, harmonischer und damit friedvoller machen. Und wenn auch nur an einem Ort und für einen kurzen Augenblick. Aber es kann ein Anfang sein. Und wenn das, was wir da auf der Bühne tun, nur einem Bruchteil unseres Publikums ein wenig Freude schenkt, vielleicht auch ein wenig Vergessen in dieser schlimmen Zeit, dann fühle ich mich dankbar und privilegiert, diesen Beruf ausüben zu dürfen. Der große, kluge, unvergessene Leonard Bernstein sagte: "This will be our reply to violence: To make music more intensely, more beautifully, more devotedly than ever before." Wir haben uns gestern alle Mühe gegeben, diese Maxime zu befolgen.

Socialising

13 November 2015

Gestern war ich mal wieder auf einer Musicalpremiere ("Das Phantom der Oper" in Oberhausen, dienstlich als Journalist für das Fachmagazin "musicals"). Dabei ist mir wieder einmal aufgegangen, dass ich für diese Seite des Berufs einfach nicht gemacht bin: Selbst wenn man anderthalb Stunden vor Vorstellungsbeginn am Theater ankommt, halten die Medienkollegen am Roten Teppich einem die Objektive unter die Nase - auch wenn mich, außer ein paar Insidern und den Leuten, mit denen ich zusammenarbeite, sowieso niemand kennt. Und ich sehe auch nicht gerade wie ein A-, B-, C- oder D-Promi aus. Endlich drinnen angekommen, geht es weiter: Man trifft ein paar Bekannte, Kollegen und Freunde (die Szene ist klein, solche Premieren sind immer auch eine Art Familientreffen), es freut mich wirklich, viele dieser Menschen wiederzusehen und ein paar Worte mit ihnen zu wechseln. Zugleich lauert hier aber eben auch die Disziplin, in der ich gnadenlos schlecht bin: Small Talk. Oberflächliche Zwischen-Tür-und-Angel-Gespräche mit Menschen, die man höchstens flüchtig kennt. Das konnte ich noch nie, und das war mir immer unangenehm. Wenn ich mich ehrlich für mein Gegenüber interessiere, kann ich mich nicht einfach nur freundlich lächelnd über das Wetter unterhalten. Wie viele peinliche Situationen hatte ich schon, als ich glaubte, mit jemandem ein tiefgründiges Gespräch zu führen, und bei der ersten Gelegenheit wurde ich stehengelassen... Wohlgemerkt: Dieses "Socialising" gehört selbstverständlich zum Beruf, und es ist allein mein Problem, dass ich mich daran nicht wirklich gut beteiligen kann (oder will). Manchmal wünschte ich mir, ich wäre besser in dieser Hinsicht... Wenn ich diese Art von "Networking" nicht oder nur äußerst ungern betreibe, muss ich mich halt auch nicht wundern, wenn mich nicht jeder in der Branche kennt. Aber das muss ja vielleicht auch gar nicht sein, und so habe ich auch gestern samt meiner Frau unmittelbar nach Vorstellungsende die Flucht ergriffen. Zum Glück wartet in den kommenden Wochen verstärkt ein Teil meines Berufes auf mich, in dem ich ungleich besser bin und der mir wesentlich mehr Freude bereitet: Live-Spielen! Der Jahresendspurt beginnt, das nächste auftrittsfreie Wochenende ist der vierte Advent. Heute Gospel in Gelsenkirchen, morgen Hollywood Nights im Ebertbad - ich freu mich! Auch auf meine Chorsänger übrigens, meine Bandkollegen, alle Solisten und das gesamte Konzertteam von Sound of Music. Diese Form von "Familientreffen" macht doch deutlich mehr Spaß als Häppchen auf dem Roten Teppich.

In eigener Sache

04 November 2015

Lange nichts mehr geschrieben hier... Ich war im Oktober nicht etwa faul und untätig (abgesehen von einer Woche Urlaub, die ich mir gegönnt habe), sondern arbeite mit Hochdruck an Arrangements für neue Tourproduktionen im nächsten Jahr. Zusätzlich gibt es diverse Live-Gigs vorzubereiten (ich hoffe, einige Termine, die ich noch nicht offiziell machen darf, in den nächsten Tagen und Wochen nach und nach veröffentlichen zu können) - und "ganz nebenbei" habe ich mit der Arbeit an gleich zwei neuen Musiktheaterprojekten begonnen. Daraus resultieren regelmäßige 14-Stunden-Tage und durchgearbeitete Wochenenden. Alles kein Problem; würde ich meinen Beruf nicht lieben, hätte ich mich für eine akademische Laufbahn entschieden und würde längst gemütlich dickes Geld verdienen. Eine Sache nervt mich aber, nach bald 14 Berufsjahren als professioneller Musiker, mehr und mehr: Leute, die glauben, Musiker würden doch praktisch ihrem Hobby nachgehen und bräuchten daher auch keine vernünftige Bezahlung für ihre Arbeit. Da häufen sich in letzter Zeit die Fälle, wo tatsächlich über die sehr moderate Höhe eines geforderten Honorars diskutiert wird (bis hin zur Frage, warum ich denn überhaupt dafür bezahlt werden soll, dass ich an einem Wochenende irgendwo hinfahre und einen Auftritt absolviere) oder gestellte Rechnungen für bereits erbrachte Leistungen einfach mal kommentarlos nicht gezahlt werden (während ich meinen eigenen finanziellen Verpflichtungen natürlich weiterhin nachkommen muss). Interessanterweise treten all diese Ärgernisse so gut wie gar nicht im professionellen Umfeld (das ja zum Glück den Hauptteil meiner Auftraggeber ausmacht) auf, sondern primär bei Laien, die das wahrscheinlich auch alles gar nicht böse meinen, aber sich einfach keine Gedanken darüber machen, dass meine Musikerkollegen und ich einen ganz normalen Beruf ausüben. Mit anderen Arbeitszeiten als der übliche Nine-to-five-Bürojob, definitiv, aber es ist nichtsdestotrotz eine Frage von Leistung und Gegenleistung, genau wie beim Handwerker, im Geschäft oder im Restaurant. Es würde wohl niemand auf den Gedanken kommen, zu seinem Stammwirt, bei dem man seit Jahren mindestens einmal im Monat speist und der einem vielleicht aus alter guter Bekanntschaft auch regelmäßig einen Absacker aufs Haus spendiert, nachzufragen, ob der einem das Büffet für den runden Geburtstag nicht kostenlos ausrichtet. Bei Musikern kommen solche Fragen alle Nase lang. Wir zahlen aber genauso Miete, Steuern, Versicherungen, müssen unsere Familien ernähren; davon, dass wir unser teures Equipment in Stand halten (und auch erstmal anschaffen) müssen, ganz zu schweigen. Für den Job, den wir abliefern, haben wir jahrelang studiert und/oder uns ausbilden lassen, wir bringen umfassende Erfahrung mit und bereiten uns auf jeden einzelnen Auftrag gründlich vor. Da sollte man eigentlich niemandem mehr erklären müssen, dass das alles eben seinen Preis hat; umso trauriger, dass es immer wieder zum Thema wird. Vielleicht denken alle, die immer glauben, Musiker hätten doch eh nur ihr Hobby zum Beruf gemacht, da können sie doch froh sein, wenn sie überhaupt ein wenig Geld dafür bekommen, mal darüber nach... Ich persönlich habe für mich entschieden, in Zukunft in dieser Hinsicht die harte Schiene zu fahren (und das tut gut!). Langjährigen, treuen Partnern und Auftraggebern mit guter Zahlungsmoral komme ich nach wie vor auch gerne preislich entgegen, keine Frage; aber ansonsten schalte ich auf stur. Und wer nichts bezahlen will, kriegt dann eben auch nichts. Wie bei Aldi an der Kasse. :-)

Hannes und ich

30 September 2015

Vor der angekündigten einwöchigen Auszeit und inmitten einer turbulenten, mit Terminen vollgestopften Woche melde ich mich doch noch mal zu Wort: Vorgestern habe ich mal wieder ein Hannes Wader-Konzert besucht. Im Laufe meiner Zeit als Kulturjournalist der WAZ habe ich ihn mehrfach interviewt, ansonsten war mein Draht zu ihm und seinen Liedern aber nie so gut wie zu seinen Kollegen Mey, Hoffmann oder Wecker (obwohl ich schon zahlreiche Wader-Konzerte gesehen habe und, notorischer Komplettsammler, der ich bin, sich sein Gesamtwerk in meinem CD-Schrank befindet). Aber je älter wir beiden, Hannes und ich, werden, umso mehr lerne ich die Brillanz seiner Texte schätzen und auch die spröde, sperrige Sprache seiner Musik. Ich mochte früher die meisten seiner selbstkomponierten Lieder deutlich weniger als Stücke, zu denen er (z.B. als Übersetzung aus dem Englischen oder Französischen) eigene Texte verfasste. Mittlerweile erreicht mich der ureigene Wader-Stil deutlich mehr, vor allem live entdecke ich in zahlreichen Liedern, die auf den Studioalben eher unter dem Radar vorbeilaufen, neue Stärken. Hannes' virtuoses Gitarrenspiel und seine mit den Jahren und zunehmender Reife immer schöner zu werden scheinende Stimme sind ohnehin mittlerweile über Kritik erhaben. Was mich aber einmal mehr am meisten freut: Da geht ein mittlerweile 73-jähriger Liedermacher, ohne Bühnenzauber, nur mit einer Akustikgitarre in der Hand, auf die Bühne und singt gut zwei Stunden anspruchsvolle Lieder mit das aufmerksame Zuhören erzwingenden Texten, nachdenklich, politisch und zeitkritisch - und das Haus ist voll, inzwischen geben sich sogar mehrere Generationen ein Stelldichein im Konzert (ich freue mich ja immer, wenn ich nicht der Jüngste im Publikum bin...). Ich wünsche Hannes Wader (und natürlich seinem Publikum ebenso wie mir), dass er noch sehr lange Platten aufnimmt und auf Tournee geht, damit seine eindringlichen Lieder gegen Krieg und Fremdenhass noch oft und von Vielen gehört werden.

Luftholen

28 September 2015

Monatelang fiebert man einem Auftritt entgegen, dann ist er plötzlich da - und jetzt ist sie auch schon wieder mehr als eine Woche her, die Aufführung des Musicals "Kolpings Traum" vor 15 000 Zuschauern in der Kölner Lanxess Arena, bei der wir mit dem Sound of Music-Chor mitwirken durften. Schade, dass man an so einem Tag vor lauter Ankommen (schon die Anreise zur Halle und das Suchen der Garderobe in den weitläufigen Katakomben kann für Musiker, die in erster Linie Kleinkunstsäle und "normale" Theater gewöhnt sind, zum Abenteuer werden...), Proben, Soundchecken und schließlich konzentriert die-Show-über-die-Rampe-bringen gar nicht wirklich dazu kommt, das wirklich zu verinnerlichen, was da gerade passiert... und dann steht man plötzlich, während einer unvorhergesehenen Tonpanne, auf dieser Riesenbühne, schaut in ein Meer von Menschen in Orange (die Kolping-Farben) und hört zu, wie diese 15 000 sich zur Überbrückung der Zwangspause einfach mal selbst feiern. Wahnsinn.
Nicht weniger erfolgreich, wenn auch vor gut besuchtem, aber zwangsläufig kleinerem Haus ist das zweite Jubiläumskonzert von St. Barbara Gospel verlaufen - und jetzt geht das Geburtstagsjahr auch schon in die Zielgerade, denn bis zum großen Konzert mit Band am 24. Oktober ist es ja nun auch nicht mehr lang. Die ersten Bandproben mit meinen lieben Freunden und Kollegen Matthias Plewka (Drums), Stephanie Strehlow (Gitarre) und Julian Rybarski (Bass) laufen jedenfalls prächtig, und ich freue mich jetzt schon wie ein Schneekönig auf diesen Gig! Bis dahin wird allerdings noch Vieles zu erledigen sein, da sich die Projekte derzeit ja mal wieder auf meinem Schreibtisch stapeln. Da bleibt kaum Zeit zum Luftholen, und wenn man nicht aufpasst, arbeitet man locker vierzehn Stunden am Tag ohne Pause durch und kommt noch nicht einmal dazu, zwischendurch etwas zu essen. Wobei Letzteres ja bei mir durchaus positive Nebeneffekte haben kann. :-) Jedenfalls muss ich im Augenblick zwangsläufig darauf achten, auch genug Ruhepausen zu lassen, mir für all die durchgearbeiteten Wochenenden unter der Woche entsprechend ein wenig Freizeitausgleich zu schaffen und auch Ruheinseln an den stressigsten Arbeitstagen zu finden. Dazu gehört dann auch, dass ich schweren Herzens einzelne Termine absage, einfach um selbst ein wenig runterkommen zu können - ich bitte alle Kollegen, die davon betroffen sind, um Entschuldigung und Verständnis! Prioritäten und schlechtes Gewissen... vertragen sich nicht immer. Die erste Herbstferienwoche bin ich übrigens mal off, da bin ich mal nur für meine Familie und für mich da.

Update

17 September 2015

Das Sommerloch (das es dieses Jahr eigentlich gar nicht gab, aber egal...) scheint wohl definitiv vorbei zu sein: Nach monatelanger Vorbereitung stehen plötzlich wieder die ersten Live-Termine vor der Tür. Und darunter wahrscheinlich der größte Gig, den ich je gespielt habe (es gab da mal ein Open Air in Düsseldorf, wo ich keine Ahnung habe, wieviele Leute da waren, aber sonst waren Hallen mit maximal 3500 Zuschauern bisher, und auch nur in seltenen Fällen, das Höchste der Gefühle): Mit dem Sound of Music-Chor verstärken wir am Samstag das Ensemble des Musicals "Kolpings Traum" vor geschätzt 15 000 Menschen in der Lanxess Arena in Köln! Ich gestehe, da bin auch ich mal ein wenig aufgeregter als sonst... Aber wir haben uns seit Monaten akribisch vorbereitet, können unsere Parts aus dem Effeff. Jetzt heißt es, auf die Bühne gehen, Spaß haben und hoffentlich alle Pannen vermeiden. Noch vorher steht morgen das zweite Jubiläumskonzert von St. Barbara Gospel an, von mir am Klavier begleitet, nachdem ich morgens schon mit meiner Band für das dritte Jubiläumskonzert im Oktober, das wir mit großem Besteck spielen, geprobt haben werde... Ein neues Kinderprojekt im Rahmen des Landesprogramms Kultur und Schule ist auch diese Woche gestartet. Neben den Vorbereitungen für alle diese Aktivitäten stehen derzeit noch die Arrangements für zwei große Tourproduktionen von Sound of Music Concerts im kommenden Jahr auf meiner To Do-Liste, nebst ein paar kleineren Arbeiten für liebe Kollegen. Tja, und irgendwie muss ich nun noch Zeit für zwei spannende, transatlantische Theaterprojekte finden, die ich mit dem wunderbaren Autor und Regisseur (und lieben Freund) Dirk Schattner anschieben möchte - mehr dazu hoffentlich bald!
Irgendwie bin ich froh, dass ich durch diese ganzen Aktivitäten momentan keine Zeit habe, aufmerksam und gründlich die Nachrichten zu verfolgen. Die Flüchtlingskrise und das Umgehen unserer europäischen Regierungen damit, die kriegerischen Konflikte, die einfach nicht totzukriegen sind, die Finanzkrise, die zunehmende Ghettoisierung und Gewaltbereitschaft in unseren Städten, der nicht abreißende Fluss von Horrormeldungen Tag für Tag - all das macht mir große Sorgen und, ja, auch Angst, wie das alles weitergehen soll. Nein, da mache ich lieber von morgens bis abends Musik. Wie sang doch Reinhard Mey schon so weise? "Ich singe um mein Leben, ich singe um nicht aufzugeben, ich mach mir selber Mut, ich sing wie als Kind, wenn ich in den dunklen Keller ging, um die Angst nicht zuzugeben - ich singe um mein Leben."

London und Datteln

08 September 2015

Letzte Woche war ich mal wieder für ein paar Tage in London. Ab und zu muss das mal sein; ich versuche, einmal im Jahr dorthin zu kommen. Nicht nur, um mal den Kopf frei zu kriegen und die Batterien aufzuladen, weil ich mich mal einfach nur um mich kümmern kann, ohne berufliche oder anderweitige Verpflichtungen; nicht nur, weil ich ein Metropolen-Fan bin und die britische Hauptstadt, noch vor Wien, Paris oder sogar New York, meine absolute Lieblingsstadt ist (vielleicht, weil ich den britischen Humor so mag und die Kombination aus Tradition und Historie einerseits und pulsierender moderner City andererseits so mag). In London kann ich vor allem auch das Private mit dem Beruflichen perfekt verbinden und mich regelmäßig auf den neuesten Stand in Sachen Musicals bringen. In den letzten Jahren habe ich dort mehr Aufführungen gesehen als in deutschen Musicaltheatern - und zwar nicht, weil in London das Niveau des Gezeigten automatisch höher wäre (wobei auch das nicht selten der Fall ist, aber das ist ein anderes Thema und hängt mit Genretradition und Ausbildung zusammen), sondern weil Musical als Kunstform dort einen anderen Stellenwert hat als hierzulande und dementsprechend auch in einer größeren Bandbreite passiert (wenn wir jetzt mal nur von den Großproduktionen reden). Das ist für mich immer eine Frischzellenkur und entfacht die Begeisterung für das Genre, in dem zu arbeiten ich mir ausgesucht habe, immer wieder aufs Neue. Was habe ich diesmal gesehen? Das großartige "Memphis", das ich seit meinem letzten New York-Trip 2010 schon gar nicht mehr wiederzusehen gehofft hatte. Einen meiner All-Time-Favorites, "Miss Saigon", in einer grandiosen Neuinszenierung. Die nette, unterhaltsame Komödie "Bend It Like Beckham" nach dem gleichnamigen Film. (Alle drei genannten Musicals werben, auf unterschiedliche, aber nachdrückliche Art, nebenher für Toleranz, Gleichberechtigung, vorurteilsfreies menschliches Miteinander - wichtigere Themen kann es doch in dieser unserer Zeit gerade gar nicht geben...) Schließlich noch den Klassiker "Gypsy" mit Imelda Staunton und Lara Pulver. Alles wunderbar, inspirierend, motivierend. Etwas schade am Rande: London spielt mit mir "Zehn kleine Negerlein", bei jedem Besuch fehlt wieder eines der Geschäfte, die ich immer gerne aufgesucht habe. Diesmal hat es meinen Lieblingsbuchladen erwischt - und mein Stammmusikalienhandel, wo ich seit 18 Jahren quasi Stammkunde bin, hat sein riesiges Notenangebot mal eben geviertelt. Internethandel gut und schön, aber es geht doch nichts über das Stöbern in einem richtigen, echten, nicht virtuellen Geschäft. Schon schade.
Dann, einen Tag nach meiner Rückkehr, habe ich es endlich mal geschafft, mir die hochgelobte Produktion von Willy Russells "Blutsbrüder" im Dattelner KatiElli-Theater anzuschauen (das Original hatte ich übrigens vor 17 Jahren ebenfalls in London gesehen). Was soll ich sagen? Die Vorschusslorbeeren waren ja schon gewaltig, aber einen so gleichsam unterhaltenden wie bewegenden und nachdenklich stimmenden Theaterabend habe ich lange nicht erlebt. Auch wenn das Budget nur ein Bruchteil einer Großproduktion betragen dürfte, fehlte hier nichts - ein hervorragendes Stück, eine tolle, einfühlsame und witzige Inszenierung von Bernd Julius Arends und vor allem Darsteller, die mit Herzblut spielen und sich in diesem intimen Theater, wo man sich nicht hinter großen Gesten und weiten Entfernungen zwischen Bühne und Zuschauern verstecken kann, mit jeder Faser ihres Körpers und ihrer Seele in ihre Rollen hineinwarfen. Diese Aufführung sollte man nicht verpassen - wenn man Musicals mag, ist sie sowieso Pflichtprogramm, wenn man Musicals nicht mag, könnte es passieren, dass man hier eines Besseren belehrt wird. Was wieder beweist: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah... (Trotzdem fahre ich bald auch wieder nach London, wenn sich die Möglichkeit ergibt.)

Freunde und Kollegen

21 August 2015

Ein Vorteil des Umstands, dass ich einerseits beruflich zu ausgelastet bin, um diesen Blog regelmäßiger zu updaten und andererseits derzeit verstärkt darauf achte, mein Privatleben nicht mehr ganz so stark zu vernachlässigen, ist die Tatsache, dass ich manchmal aus dem Affekt heraus bestimmte Dinge äußern möchte, dazu dann aber nicht komme - und wenn ich die Zeit für den nächsten Blog-Eintrag habe, haben sich die Gedanken soweit gesetzt und sortiert, dass ich nicht mehr Gefahr laufe, allzu Privates auf dieser letztlich doch öffentlichen Plattform preiszugeben. Ich habe bei früherer Gelegenheit diese Rubrik meiner Homepage als eine Art Tagebuch bezeichnet, und das soll sie auch weiterhin bleiben - allerdings fokussiert aufs Berufliche, auch wenn sich das bei mir durchaus des Öfteren mischt. So zum Beispiel, wenn mir vorgeworfen wird, ich würde meine "alten" Freunde vernachlässigen und mir neue aus meinem beruflichen Umfeld suchen. Zunächst ist es nunmal einfach so, dass sich Lebensumstände verändern, Menschen entwickeln sich weiter, man verliert sich aus den Augen. Ich bin mit dem Begriff "Freund" immer sehr vorsichtig und sparsam umgegangen. Facebook kann meine dortigen Kontakte meinetwegen "Freunde" nennen, deswegen sind sie das für mich nicht automatisch. Ich glaube, wenn man eine Handvoll wirklich guter Freunde hat, kann man sich schon glücklich schätzen. Das ist bei mir der Fall. Aber das sind dann auch die wenigen Freunde, die mich mitten in der Nacht anrufen dürfen, wenn sie mich brauchen, und ich stehe auf der Matte. Umgekehrt genauso. Ohne Vorwürfe, ohne gegenseitiges Anspruchsdenken. Und wenn man sich nur einmal im Jahr sieht. Da spielt die räumliche Entfernung dann auch keine Rolle mehr, sondern höchstens die Strecke, die man sich mental und emotional voneinander entfernt hat. Diejenigen, von denen ich rede, wissen, dass sie gemeint sind. Danke, dass es Euch gibt!
Was die Kollegen betrifft: Ich schätze mich sehr glücklich, mit vielen wunderbaren, netten, hoch talentierten Menschen arbeiten zu dürfen. Und ja, zu einigen von ihnen haben sich über die Jahre auch freundschaftliche Beziehungen ergeben, so dass man sich auf Tour auch mal abends auf ein Glas zusammensetzt oder sich ganz privat trifft, wenn man mal zufällig zur selben Zeit in derselben Stadt ist. Für beruflich stark eingebundene Menschen ist es doch auch völlig logisch, wenn sich neue Freundschaften aus dem Arbeitskontext heraus ergeben. Man macht ja fast nichts anderes als arbeiten, zumindest als freischaffender Musiker. ;-) Und sogar Fans, die man immer wieder bei den Konzerten trifft, können zu Freunden werden! Selten, weil man bei diesen kurzen Begegnungen zwischen Schlussapplaus und Abbau schon einen deutlichen Draht zueinander spüren muss, aber es gibt sie, und darüber bin ich sehr froh. Wie auch immer, ich freue mich jetzt schon darauf, wenn es bald wieder losgeht und die nächsten Wiedersehen mit liebgewonnenen Kollegen und (ja!) Freunden anstehen. Und da lasse ich mir von niemandem ein schlechtes Gewissen machen. Basta. :-)

Sommerende

30 Juli 2015

Die "Sommerpause" dauerte in diesem Jahr für mich erstens nur eine Woche und ist zweitens ohnehin schon wieder vorbei. Eigentlich viel zu wenig Auszeit angesichts eines ersten Halbjahrs, das aus verschiedenen Gründen (zumindest gefühlt) das stressigste und arbeitsamste seit Langem war, aber was soll's: Richten wir den Blick nach vorn auf die fünf Monate, die das Jahr noch zu bieten hat. Die werden nur vordergründig (etwa bei Betrachtung des Terminkalenders auf der Startseite dieser Homepage) ruhiger als die erste Halbzeit 2015. Bis Dezember habe ich noch genau zwei freie Wochenenden, die übrigen sind mit Auftritten oder Proben gefüllt. Ansonsten werde ich mich damit beschäftigen, Playbacks und Arrangements für verschiedene Projekte und Auftraggeber zu erstellen und neue Live-Konzepte für das kommende Jahr vorzubereiten, über die ich hoffentlich bald sprechen kann. Vor allem aber werde ich ein wenig neue Struktur in meinen Arbeitsalltag einbringen (müssen), denn auch wenn manche Leute offenbar meinen, ich sei freiwillig ein Workaholic (zumindest bekomme ich immer wieder in diese Richtung gehende Sprüche serviert), ist das Pensum mittlerweile am absoluten Limit angekommen. Gegenmaßnahmen: Ein freier Tag pro Woche als Ausgleich für die durchgearbeiteten Wochenenden, halbwegs pünktlicher Feierabend und (vor allem!) das Üben der hohen Kunst des Nein-Sagens. Das muss man übrigens auch mal gegenüber vermeintlichen Freunden, die auf unglaublich aufdringliche und anmaßende Art und Weise meine wenige Zeit für sich beanspruchen oder mich belehren wollen, wie ich denn mein Leben zu gestalten habe. Die einzigen, die (außer meinen Auftraggebern, die schließlich dafür bezahlen) Anspruch auf meine Zeit stellen dürfen, sind meine Frau, meine Tochter und mein Hund. So. Musste mal gesagt werden. :-) Euch allen einen schönen Restsommer; man sieht sich!

Rock'n'Roll

14 Juli 2015

Gleich zwei große Stadionkonzerte an einem Wochenende, und sie decken praktisch die gesamte Bandbreite dessen ab, was ich an Rock'n'Roll liebe: Manchmal meint es das Leben doch gut. So durften wir am Freitag in Hannover Udo Lindenberg auf seiner aktuellen "Panikparty"-Tour erleben. Dieser Mann stellt mit seinen 69 Jahren nicht nur eine gigantische, revueartige Show von internationalem Format auf die Beine, begleitet von einigen der besten Rockmusiker Deutschlands (Bertram Engel! Jean-Jacques Kravetz!! Carl Carlton!!! u.v.a.). Er traut sich auch, vor einem Publikum von Zehntausenden den Regierenden einen mitzugeben, Klartext zu sprechen und die soziale, politische Seite von Rock'n'Roll nicht auszuklammern. Sicher wird es wieder irgendwelche dummen Berufszyniker geben, die Udo für Sätze als Pazifisten und Gutmenschen belächeln wie "Milliarden für die Rüstung auszugeben, anstatt den armen Menschen, die nichts zu beißen haben, zu helfen, ist ein Verbrechen!" Aber der eigentliche Skandal ist doch, dass solche Feststellungen wie diese immer noch und immer wieder getroffen werden müssen, genau wie immer noch und immer wieder gemahnt werden muss, nicht auf die braune Scheiße der wieder erstarkenden Rechtsradikalen reinzufallen. Schweiger und Mitläufer gibt es schon zu viele.
Die andere Seite der Medaille dann am Sonntag in Gelsenkirchen: AC/DC auf Schalke. Das ist natürlich Eskapismus in Reinstform, Hard Rock zum puren Abfeiern, ein Hochamt für Sex, Drugs & Rock'n'Roll. Allerdings ist, wer sich Letzterem (vielleicht ohne die Drugs) ausgiebig und ernsthaft widmet, ja auch schon fast wieder hochpolitisch: Der hat nämlich gar keine Zeit, Krieg zu spielen oder ein rechtsradikales Arschloch zu werden. Und auf einer Metaebene kann man "Highway to hell" sogar als Kommentar zur aktuellen weltpolitischen Lage sehen... Okay, das mag weit hergeholt sein, lassen wir AC/DC also weiter High Voltage-Rock'n'Roll spielen. Ab und zu ist das einfach mal geil. Die Mischung macht es - und wahrscheinlich bin ich im Herzen auch deshalb ein (Alt-)Rocker, weil beides (Politik und Party) in der Rockmusik so problemlos möglich ist wie in kaum einer anderen Stilrichtung. In diesem Sinne: For those about to rock, I salute you!

Halbzeit

01 Juli 2015

Und schon hätten wir das erste Halbjahr 2015 hinter uns. Wo ist die Zeit geblieben, frage ich mich, denn die Wochen und Monate sind mal wieder noch schneller vorbeigerast als ohnehin in den letzten Jahren. Es begann pünktlich zu Neujahr damit, dass ich krank wurde, dann meine Frau, dann wieder ich... Insgesamt war ich in 2015 bisher drei von sechs Monaten krank, und da man sich ja als Freiberufler auch nicht mal eben einen Schein holen und zu Hause bleiben kann, habe ich natürlich nebenbei eine der arbeitsintensivsten Phasen der letzten Jahre absolviert, mit zahlreichen Konzerten in unterschiedlichen Besetzungen und Programmen, diversen Arrangement-Aufträgen, Unterrichten, Chorleitung... Dann ist mir noch eine Dame mitten auf der Autobahn in meinen neuen Wagen gefahren, und während ich sehr froh sein kann, dass ich mit halbwegs heiler Haut da rausgekommen bin, hat das Gezerre um Anwälte, Versicherungen, Banken, Neubeschaffung etc. mich zusätzlich für dreieinhalb Monate auf Trab gehalten. Nun, zumindest hier zeichnet sich langsam, aber sicher ein Ende ab. Insofern kann es eigentlich nur besser werden! Ich bin allerdings sehr vorsichtig mit dem Satz "jetzt wird es ruhiger", denn immer, wenn ich ihn in den letzten Monaten ausgesprochen habe, ist irgendetwas Unvorhergesehenes eingetreten und hat den Stresspegel auf konstant hohem Niveau gehalten. Ich arbeite gern und bin froh, dass ich meinen Wunschberuf ausüben darf (naja, annähernd - eigentlich bin ich Komponist, aber komponiert habe ich in diesem Jahr bisher nicht allzu viel, wenn's hochkommt zweieinhalb Lieder...), aber genauso wie viele andere Berufsgruppen momentan für gerechtere Löhne kämpfen, muss auch für uns freischaffende Musiker mal ein vernünftiges Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag hergestellt werden. Es kann doch nicht sein, dass man konstant 80-Stunden-Wochen (oder mehr) durchackern muss, um sich und seine Familie halbwegs über die Runden bringen zu können. Und dann kommen noch Leute daher, buchen einen, wundern sich aber trotz sehr moderater Honorarforderungen immer noch, warum das denn so teuer ist - nach dem Motto, "Du machst doch, was Dir Spaß macht, da musst Du doch nicht auch noch Geld für bekommen". Zum Kotzen. Es kann nur aufwärts gehen... Die zweite Jahreshälfte ist nun weitestgehend für den Schreibtisch und die Vorbereitung im nächsten Jahr anstehender Projekte und Tourneen reserviert. Und auch wenn es heuer keine reguläre Sommerpause für mich gibt, bin ich doch fest entschlossen, nach langer Zeit mal wieder so etwas wie "Feierabend" oder "Wochenende" einzuführen, inklusive abgeschalteten Handys. Ich muss nicht immer für jeden zu jeder Tageszeit, auch an Sonn- und Feiertagen, erreichbar sein. Punkt. In diesem Sinne: Einen schönen Sommer!

Der Noel und die Helene

26 Juni 2015

Da machte doch gestern auf Facebook eine Meldung die Runde, die ich schon vor Wochen gelesen hatte: Noel Gallagher findet Helene Fischers Musik fürchterlich und sagt sinngemäß, diese Musik sei nichts mehr wert. Shocking! Was für ein Bild bekommt die Welt vom deutschen Massenmusikgeschmack? Nun, ganz davon abgesehen, dass Noel Gallaghers Urteil sicher nicht das Maß aller Dinge ist (ich kann ihn genauso wenig ausstehen wie Helene Fischer, aber seine Art von Musik ist mir wesentlich näher - Geschmackssache), hat sich eine Diskussion entsponnen zwischen denen, die Gallaghers Äußerungen Recht geben, und denen, die durchaus berechtigte Einwände vorbringen: Natürlich ist es problematisch, an unterschiedliche Musikrichtungen Bewertungsmaßstäbe nach dem zu simplen "Gut/Schlecht"-Schema anzulegen. Natürlich zeugt es von einer gewissen arroganten Haltung (aber immerhin von einer Haltung!), Musik, die Massen von Menschen gefällt, als wertlos zu bezeichnen. Für mich spielt hier weniger die Frage eine Rolle, ob Schlager generell schlecht ist. Ja, ich finde die meisten Schlager furchtbar, musikalisch und vor allem textlich. Aber letztlich: Auch viele Rocksongs kochen mit drei oder vier Akkorden, und Rockmusik liegt mir im Blut. Wie schon gesagt: Geschmackssache. Ich finde an dieser Diskussion vielmehr interessant, dass sie doch mal zum Nachdenken anregen kann über die Mechanismen der Musikindustrie: Hören soviele Menschen lieber Helene als irgendeine unbekannte Band aus Hintertupfingen (die sich richtig ins Zeug legt, mit Kreativität und Feuereifer versucht, eine eigenständige Musikstimme zu finden und sich vergeblich den Arsch aufreißt, einen Plattenvertrag oder eine größere Öffentlichkeit zu bekommen), nur weil ihre Musik soviel zugänglicher oder leichter verdaulich ist (das Wort "besser" will ich gar nicht erst verwenden)? Oder ist es nicht vielmehr so, dass sich das Marketing der Musikindustrie nur noch auf ganz wenige große Namen, auf die Cashcows konzentriert? Gewinnmaximierung steht über allem, die frühere Aufgabe von Plattenlabels, Talente zu entdecken, aufzubauen und zu fördern, ist gänzlich obsolet geworden. Insofern ist die Musikindustrie ein Spiegelbild der ganzen profitgeilen Gesellschaft, in der wir leben: Ein paar Wenige streichen den großen Reibach ein, während eine große Masse talentierter Musiker am Rande des Existenzminimums versucht, halbwegs über die Runden zu kommen. Sehr kurzsichtig und ein mindestens so großes Problem für das sowieso schon in Schieflage befindliche Musikbusiness wie die Internetpiraterie. Nehmen wir einen der großen Acts in Deutschland, Herbert Grönemeyer. Dessen Durchbruch kam erst mit dem fünften (!!!) Album. Heute ist er eine sichere Bank für Plattenfirma und Konzertagentur. Doch wer hätte heute noch das Vertrauen und den langen Atem, einen jungen Künstler so kontinuierlich aufzubauen, so zuversichtlich an ihm festzuhalten? Kein Wunder, dass die Dinosaurier der Musikwelt langsam aussterben, es wird ja keinem jungen Künstler die Chance gegeben, den gleichen Status zu erreichen. Ich bin gespannt, wer von den heute erfolgreichen Musikern oder Bands meiner Generation (oder jünger) in 30 Jahren noch erfolgreich Musik macht. Wie gesagt, man muss Noel Gallagher definitiv nicht Recht geben, aber wenn nur ein paar Leute durch die provokanten Äußerungen des Herrn G. mal darüber nachdenken, auf welche Weise von der Industrie ein breiter Massengeschmack erzwungen wird, gibt es vielleicht die Chance auf ein Umdenken, irgendwann, steter Tropfen soll ja angeblich den Stein höhlen. Träumen darf man ja wohl noch.

Ohne Warum

24 Juni 2015

Konstantin Wecker hat ein neues Album auf dem Markt! Ein Ereignis, sind doch seine Veröffentlichungen mit eigenen Liedern, anders als etwa bei Reinhard Mey, der verlässlich alle drei Jahre eine neue Platte herausbringt, weit weniger regelmäßig - teilweise sicherlich, weil Konstantin mit Musicals, Bühnen- und Filmmusiken sowie kontinuierlichen Tourneen auch sonst genug zu tun hat, teils aber auch, weil er sich nicht zum Texten zwingt, sondern wartet, bis ihn die Muse überkommt. "Ohne Warum" heißt nun sein neuestes Werk, sich berufend auf mystische Lehrsätze, die auf Meister Eckhart zurückgehen. Wollte ich eine Rezension schreiben, könnte ich konstatieren, dass der Vorgänger "Wut und Zärtlichkeit" von 2011 musikalisch facettenreicher, zugänglicher, unmittelbar packender erschien. "Ohne Warum" kommt leiser daher, dafür aber eindringlicher; vor allem bewegt es sich textlich auf einem absolut hohen, sprachgewaltigen Niveau, wie man es kaum noch in der deutschsprachigen Musik findet. Allein dafür schon muss man diesen Mann lieben, dass er ein romantisches Gedicht von Novalis um eine zweite Strophe ergänzen kann und man keinen stilistischen Bruch erkennt.
Doch viel wichtiger als die Qualität von Musik und Text erscheint mir die Philosophie hinter diesem Album, hinter Konstantins ganzem Schaffen. Zum Titel der Platte schreibt der Künstler im Pressetext: „Für mich ist der Begriff ein Zeichen dafür, wie Kunst sein sollte. Ohne zu überlegen, was man dafür bekommt und ohne zu überlegen, ob es gefällt. Ohne Berechnung, vielleicht auch ohne Sinn." Und: "Wenn man einmal erkannt hat, das alles zusammengehört, eins ist, Menschen, Tiere, die Erde, und wenn man sieht, wie wir mit unserer Welt umgehen, dann ist es eine Notwendigkeit, Widerstand zu leisten. In einer Gesellschaft, die so auf Leistung und Gewinn ausgerichtet ist, wird eine Rückbesinnung auf das Wesentliche eine unerlässliche Pflicht. Ob Lyriker, Poet, Maler oder Sänger, wir Künstler sind alle in der Verantwortung, etwas zu tun. Wir müssen es nicht immer tun, aber immer wieder." Ich möchte diesen Satz all denen, die mich von Anfang an immer wieder dafür schelten, dass auch ich politische Lieder schreibe, am liebsten um die Ohren hauen. Nicht immer, aber immer wieder. Warum werden diejenigen, die sich in diesem Kulturbetrieb empören über Unrecht, die eine politische Meinung haben, die Stellung beziehen und Unangenehmes aussprechen, nur immer derart belächelt und von oben herab behandelt? Warum wird man mit einem beleidigend gemeinten "Gutmensch" abgekanzelt? Ist es etwa in dieser bodenlos zynischen Welt schon verwerflich, ein guter Mensch sein zu wollen, Frieden und eine gerechtere Gesellschaft zu fordern? Man muss mit dem, was Konstantin Wecker auf diesem Album äußert, nicht konform gehen (genauso wenig wie mit dem, was irgendein anderer Liedermacher schreibt und singt). Auch ich sehe manche Dinge anders als er, obwohl ich diesen Mann und seine Musik von ganzem Herzen liebe. Aber zumindest hat hier jemand eine Meinung und traut sich, sie zu äußern!
Vor über zehn Jahren (meine Güte...) lernte ich Konstantin am Rande einer Lesung kennen. Er wird sich kaum daran erinnern. Ich stand damals gerade am Anfang meiner beruflichen Laufbahn, und er schrieb mir in sein kluges Buch "Der Klang der ungespielten Töne" die schlichte, aber kraftvolle Widmung: "Viel Mut. Konstantin." Genau wie diese Widmung ist nun auch dieses neue Album für mich und alle Kollegen, die politisch denken und dies in ihre Lieder hineintragen, eine Ermutigung, ja eine Aufforderung, auch weiterhin (um einen alten Klassiker von Konstantin zu zitieren) zu singen, weil wir ein Lied haben, nicht, weil es irgendjemandem gefällt oder weil es irgendjemand bei uns bestellt. Danke, Konstantin!
PS: In dieser Woche veröffentlicht Rocklegende Neil Young, noch so einer dieser herrlichen, unverbesserlichen Sturköpfe, sein neues Album "The Monsanto Years", ebenfalls hochpolitisch, aufmüpfig, rebellisch; auch er wird schon wieder gern dafür belächelt. Spotten ist ja oft soviel einfacher als Denken.

Pause (?)

27 Mai 2015

Das war sie also, die erste Tournee des "Milestones Project". Vier grandiose Sänger, eine fantastische Band (vielleicht die beste, die zu leiten und in der zu spielen ich je Ehre und Vergnügen hatte), ein familiäres Team, sieben Konzerte vor begeistertem Publikum, das das Programm frenetisch feierte und vor allem im zweiten Akt regelmäßig für Partystimmung in den Theatern und Hallen in Oberhausen, Stuttgart, Wien und Berlin sorgte - da macht der Beruf sowas von Spaß und man weiß wieder, warum man den ganzen Stress immer wieder auf sich nimmt. Über ein Jahr ist es her, dass Andreas Luketa, der kreative Kopf von Sound of Music Concerts, mich zum ersten Mal in seine Ideen für dieses Projekt einweihte; vor über acht Monaten begann ich, die Arrangements zu schreiben, vor gut vier Wochen schließlich fanden sich Band und Sänger zu den ersten Proben zusammen - und jetzt ist schon wieder alles vorbei. Vorerst, denn es sieht gut aus, dass es 2016 weitergeht. Es würde mich riesig freuen, denn selten hat mir ein Programm soviel Spaß gemacht wie dieses. Vielen Dank also, Andreas Luketa und Team, danke Jan Ammann, Volkan Baydar, Andreas Bieber und Mark Seibert, danke meiner Band Sebastian Hartung (Keyboard), Hannes Kühn (Gitarre), Christian Niehues (Bass) und Matthias Plewka (Drums), danke unseren fabelhaften Technikern Markus Danne (Ton) und Matthias Vierjahn (Licht)!
Und jetzt? Pause? Nicht wirklich... Die nächsten anstehenden Gigs im Juni wollen vorbereitet sein, außerdem stehen diverse Projekte in den Startlöchern, für die ich die Arrangements schreiben darf. Wie es aussieht, kommen noch einige Live-Termine fürs zweite Halbjahr 2015 hinzu, aber es wird auf jeden Fall ruhiger als die vergangenen fünf Monate und mehr von Schreibtischarbeit dominiert sein. Was ja auch mal ganz nett ist. Zumindest ein paar Wochen lang, dann wird es mich wieder in den Fingern jucken, live zu spielen... aber alles zu seiner Zeit. :-)

Toi Toi Toi

02 Mai 2015

Die letzten Tage waren wie ein Rausch: Letzten Samstag das grandiose Benefizkonzert im KATiELLi Theater, wo wir die sehr erfreuliche Summe von 1840,- Euro für die Dattelner Ärztliche Beratungsstelle gegen Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern e.V. einspielen konnten. Allen Künstlern, die an diesem Abend für den guten Zweck aufgetreten sind, und natürlich Theaterleiter Bernd Julius Arends einen herzlichen Dank! Tags darauf folgte dann das erste von drei Jubiläumskonzerten zum 20. Geburtstag meines Chores St. Barbara Gospel vor voll besetzten Reihen. Und seit Montag bin ich komplett im Milestones-Modus, haben wir ganztägig geprobt, am Programm und den Arrangements gefeilt und uns vorgefreut auf die Premiere im Ebertbad. Heute ist es endlich (oder schon?) soweit, wir stellen die Ergebnisse monatelanger Arbeit vor und sind gespannt auf die Reaktionen der Konzertbesucher. Ein kräftiges Toi Toi Toi an die Solisten Jan Ammann, Volkan Baydar, Andreas Bieber und Mark Seibert, an meine Bandkollegen Sebastian Hartung (Keyboard), Hannes Kühn (Gitarre), Christian Niehues (Bass) und Matthias Plewka (Schlagzeug) sowie an das gesamte Team von Sound of Music Concerts um Andreas Luketa. Ein neues Abenteuer, eine neue musikalische Reise - let's go! Vorhang auf für "The Milestones Project"!

Sorry...

24 April 2015

...aber ich werde in den kommenden Wochen, wie schon in der jüngsten Zeit, kaum dazu kommen, hier Blogeinträge zu schreiben. Ich bin ja heftige und anstrengende Arbeitsphasen gewöhnt und mache meinen Beruf auch wirklich gern, aber was im Moment los ist, ist schon eine Spur zu heftig. Vor lauter Aufgaben (Proben, Auftritte vorbereiten, meine laufenden Projekte betreuen etc.) weiß ich gerade nicht, wo mir der Kopf steht - irgendwie geht alles im Moment drunter und drüber, unnötige private Ärgereien inklusive. Morgen das Benefizkonzert im KATiELLi, übermorgen das erste Jubiläumskonzert mit St. Barbara Gospel, ab Montag dann Proben für The Milestones Project (wie freue ich mich darauf, mich endlich mal wieder ein paar Tage lang nur auf EIN Projekt, EINE Sache konzentrieren zu können und nicht 100 Dinge parallel zu jonglieren!), daran anschließend die ersten Konzerte... also bis Mitte Mai muss jetzt mal alles andere warten, sollen sich die Papierberge auf dem Schreibtisch doch türmen, wie sie wollen. Tschö, ich geh dann mal Musik machen.

Mal wieder Studio

08 April 2015

Die Premiere der Eurovision-Gala "Germany... 12 Points!" von Sound of Music Concerts ist leider schon wieder vorbei. Zwei Tage (inklusive Proben, Soundcheck und Show), in denen man sich um nichts Gedanken machen muss außer abends eine gute Show abzuliefern; zwei Tage, in denen das ganze Alltagschaos verdrängt werden kann und nur die Musik zählt, das Gemeinsam-etwas-auf-die-Beine-stellen... Herrlich! Es war mir wie immer ein Fest, mit solch tollen Sängerinnen und Sängern arbeiten und eine gelungene Show auf die Beine stellen zu können! Da ist es dann auch völlig wurscht, wenn man wieder mal die Feiertage durchgearbeitet hat. Das ist eben in unserem Beruf so, so what? Lieber durchgearbeitete Feiertage als nachher wieder in den normalen Trott reinkommen und erstmal mehrere Arbeitsstunden damit vergeuden zu müssen, sich mit Anwälten, Versicherungen etc. rumzuärgern, weil einem der Wagen zu Schrott gefahren wurde oder gewisse andere Subjekte nichts anderes zu tun haben, als rumzustressen und einem das Leben schwer zu machen... Wie gut, dass ich heute direkt wieder ausreißen und mich ins Tonstudio verziehen konnte! In bewährter Zusammenarbeit habe ich bei Wolfgang Schindler im United Sound Studio, wo schon die "Ein Lied von Freiheit"-CD entstanden ist, eine Benefizsingle eingespielt und -gesungen, die sehr bald als Download verfügbar sein wird. Näheres dazu in den kommenden Tagen!

Verrückt

01 April 2015

Mit diesem einen Wort könnte man das erste Quartal des Jahres sehr gut zusammenfassen. Schon wieder drei Monate um, schon wieder Ostern, dabei war doch gerade erst Weihnachten - das immer schnellere Vorbeirasen der Zeit wäre ja schon genug, um etwas ungläubig und mit leichtem Schwindelgefühl auf die zurückliegenden Wochen zu blicken. Aber so schräg, wie dieses Jahr bisher verlaufen ist, kann der Rest eigentlich nur besser werden. Das ging direkt an Neujahr los: Die heuer allgegenwärtige Grippewelle packte erst mich, dann meine Frau, dann wieder mich, dann wieder meine Frau... Bis in den Februar hinein schleppten wir uns so dahin (Freiberufler können ja nicht mal eben einen Krankenschein einreichen), ich absolvierte in dieser Zeit diverse Konzerte mit zwei unterschiedlichen Tourneeprogrammen, beendete die Arrangements für ein großes Projekt mit etwas Zeitverzug, kümmerte mich um allerlei Kleinkram zwischendurch und freute mich auf den März - da sollte es endlich mal etwas Zeit zum Luftholen, zum Ausspannen, auch zum Musizieren geben. Was passierte? Erst der lächerliche Edathy-Prozess, der mich dazu bewegte, ein großes Benefizkonzert aus dem Boden zu stampfen (eine schöne und vor allem erfolgreiche Aktion!), dann direkt ein (unverschuldeter) Autounfall, der mir selbst nur ein Schleudertrauma und einen gequetschten Zeh bescherte, mein armes unschuldiges Autochen im zarten Alter von nicht mal einem Jahr aber in den Pkw-Himmel beförderte. Schon war der Rest des Monats, eigentlich zur Erholung (s.o.) und Aufarbeitung von Liegengebliebenem gedacht, schon wieder damit angefüllt, zu Ärzten und Anwälten zu rennen, mit Versicherungen und Banken zu telefonieren, zu versuchen, ohne fahrbaren Untersatz trotzdem meinen Job zu machen... Wer bezahlt mir eigentlich all die Nerverei, den Ärger, die vergeudete Zeit? Jetzt könnte ich jedenfalls mal einen Urlaub gebrauchen. Aber daraus wird nichts, erstmal geht es wieder live los, worauf ich mich sehr freue: Zunächst mit der Eurovision-Gala von Sound of Music am Ostermontag, dann folgt die Vorbereitung auf das Milestone Project, mit dem wir im Mai auf Tour sind. Das Luftholen muss dann wohl bis Juni warten. Freizeit wird ja angeblich sowieso vollkommen überbewertet. Das Gute: Nach diesem turbulenten Auftakt kann der Rest des Jahres nur noch besser werden.

Wutausbrüche

17 März 2015

Was können wir aus dem erfolgreichen Benefizkonzert für den Kinderschutzbund mitnehmen? 1. Sorgfältige, monatelange Planung einer Veranstaltung ist ein toller Luxus, aber manchmal ist es auch ganz erfrischend, in relativ kurzer Zeit spontan etwas auf die Beine zu stellen. Zumindest ist dann die Energie bei allen Beteiligten sehr hoch. ;-) 2. Gemeinsam in so kurzer Zeit etwas auf die Beine zu stellen, was nicht nur das Publikum im rappelvollen Saal erreicht, sondern auch noch ein mehr als respektables Spendenergebnis erzielt, ist ein tolles Gefühl. Und es macht Spaß. 3. Jeder kann, wie mein Freund und Kollege Mario Siegesmund am Sonntag so richtig ausgeführt hat, mit ein wenig Engagement und Initiative etwas erreichen. Wie sähe es aus, wenn jeder von uns öfter mal den Hintern hochkriegte? 4. oder 3.a: Mir wurde im Zusammenhang mit diesem Benefizkonzert oft gesagt, ich solle öfter mal Wutausbrüche haben wie den über die Affäre Edathy, der letztlich zu dieser Veranstaltung führte. So oft wie ich mich über irgendetwas aufrege, kann ich gar keine Konzerte organisieren. Aber der Ärger über Mißstände kann eben doch in positive Effekte umgemünzt werden. Das mal als kleiner Seitenhieb auf alle, die mit politischen Künstlern nichts anfangen können (oder wollen), weil "Kunst und Musik ja doch nichts ändern können". Doch, können sie! Und je mehr mitmachen, umso besser! Also, jetzt bitte alle mal aufregen, Gründe gibt es in diesem unseren Lande genug! ;-)

Zeichen setzen

11 März 2015

Wie wahrscheinlich jeder halbwegs aufrechte Mensch in diesem Land habe auch ich mich maßlos über den Ausgang des Edathy-Prozesses geärgert: Da lässt jemand, der nachweislich Kinderpornographie besessen und konsumiert hat, ein Geständnis verlesen, um durch einen billigen Trick mit einem blauen Auge davonzukommen, widerruft dieses Geständnis frecherweise kurze Zeit später außerhalb des Gerichts, bezeichnet sich unbeirrbar als unschuldig und wird dadurch auch noch durch eine wirre Gesetzgebung bestätigt, die diesen Mann jetzt als nicht verurteilt und damit juristisch unbefleckt dastehen lässt. 5000 Euro Strafe? Wie lächerlich ist das angesichts des Vergehens! Was wird denn anderen Kranken, die sich an Bildern und Videos von nackten, missbrauchten, danach fürs Leben geschädigten Kindern aufgeilen und ihre perversen Triebe befriedigen, dadurch suggeriert? Dass es zwar irgendwie nicht so ganz okay ist, Kinderpornographie zu konsumieren, aber auch nicht wirklich schlimm? Man zahlt einfach eine läppische Geldstrafe und darf das Gericht als freier Mann verlassen? Wer ist kränker, diejenigen, die Kinderpornographie für ihre Triebbefriedigung brauchen, oder eine Gesellschaft bzw. ein Justizsystem, das dermaßen lasch mit solchen Taten umgeht? Dass ich nicht alleine bin in meinem Gefühl, dass hier eine wahnwitzige Verzerrung von Recht und Unrecht geschieht, und dass diejenigen, die so voller Rückgrat das lächerliche Strafgeld des Herrn E. abgelehnt haben, unbedingt zu unterstützen sind, zeigte mir die Resonanz auf meinen spontanen Aufruf zu einem Benefizkonzert zugunsten des Kinderschutzbundes via Facebook. Dermaßen viele Kolleginnen und Kollegen haben sich sofort gemeldet, dass wir jetzt nicht nur ein pralles Drei-Stunden-Programm auf die Beine stellen konnten, sondern ich auch noch in die Verlegenheit kam, einigen, die sich noch nach Redaktionsschluss gemeldet haben, abzusagen. Und das fiel mir unsagbar schwer! Ihr Lieben, vielen, vielen Dank für Euer Engagement, ich bin wirklich überwältigt, dass wir so viele sind, die bereit sind, ein spontanes Benefizkonzert aus dem Boden zu stampfen! Lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen - gegen den ungestraften Konsum von Kinderpornographie, für diejenigen, die sich täglich selbstlos für Kinder und ihre Belange einsetzen! Ich bin stolz auf das, was wir am Sonntag gemeinsam auf die Bühne stellen, und freue mich unbändig auf einen tollen Abend mit Euch!

Mit Amateuren spielen

04 März 2015

Wie so manche/r geschätzte/r Kollege/in unterstütze auch ich von Zeit zu Zeit sehr gerne talentierte Amateure und Semiprofis bei ihren Konzerten und Aufführungen. Ich möchte dabei jetzt auch gar keine Diskussion vom Zaun brechen, was einen Profi und was einen Amateur ausmacht - meine persönliche Definition: Ein Profimusiker ist für mich jemand, der den Job a) in irgendeiner Form gelernt hat und b) seinen Lebensunterhalt, soweit es geht, damit bestreitet. Es gibt jedoch auch jede Menge Sänger und Musiker mit großem Talent, auf die keines der beiden genannten Kriterien zutrifft. Warum sollte ich, wenn es allen Beteiligten Spaß macht und es menschlich und musikalisch passt, nicht mit denen zusammenarbeiten? Schließlich hat jeder heutige Profi auch mal "klein", sprich als Amateur, angefangen, und war mit Sicherheit froh über jede professionelle Unterstützung. Ich für meinen Teil z.B. bin immer noch sehr dankbar für die Förderung durch die Chansonsängerin Maegie Koreen und das, was ich als Begleitpianist und Interpret von ihr gelernt habe. Und sie ist nur ein Beispiel für all die arrivierteren Künstler, von denen ich im Lauf der Jahre lernen durfte (und immer noch darf). Wenn ich nun, nach mittlerweile auch schon etlichen Berufsjahren, etwas von meiner Erfahrung weitergeben und damit jüngeren, begabten Talenten helfen kann, tue ich das gern. Ganz davon abgesehen, dass "Amateur" ja wörtlich übersetzt "Liebhaber" bedeutet. Und gerade das ist es, was mich bei vielen Amateuren begeistert: Die "Liebhaberei", die Leidenschaft, die Freude am Singen und Musizieren, die uns Profis im alltäglichen Wechsel von Proben und Auftritten gerne mal abhanden kommt. In diesem Sinne kann ein "Amateurkonzert" durchaus wie eine Frischzellenkur wirken. Zum Beispiel das Konzert "Music Is The Key" von Dennis Schäfer am vergangenen Samstag, bei dem ich ihn gemeinsam mit der wunderbaren Michaela Schober unterstützen durfte: Ein sympathischer, hochtalentierter Sänger, dessen stimmliche Begabung ihm locker den Weg ins Gesangsstudium und in die Professionalität hätte ebnen können, wenn er diesen Weg hätte einschlagen wollen - es war an diesem Abend vielleicht nicht alles perfekt und "hochprofessionell" (warum auch?), aber es war ein tolles, unterhaltsames Konzert, das uns Beteiligten Riesenspaß gemacht und ganz offensichtlich auch das zahlreich erschienene Publikum begeistert hat. Und darum geht es doch letztlich in unserem Beruf: Um den Spaß am Musizieren, am Auf-der-Bühne-Stehen, um gemeinsam erzeugte und an die Zuschauer weitergegebene Emotionen. Und das ist an diesem Abend allemal mindestens so gut gelungen wie bei all den Profi-Veranstaltungen, die ich im Lauf der letzten Jahre gespielt habe. Deshalb: Gratulation, lieber Dennis, zu Deinem gelungenen ersten Solokonzert! Wenn Du magst, bin ich beim nächsten Mal gern wieder dabei!

Auf Entzug

28 Februar 2015

Es gibt ja Kollegen, die nach Abschluss einer Tournee in ein tiefes Loch fallen und tage- oder sogar wochenlang nicht ansprechbar sind. So geht es mir zum Glück nicht, aber auch ich bekomme so langsam Entzugserscheinungen: Nach den letzten Wochen, in denen praktisch alle paar Tage woanders ein Konzert mit tollen Sängern und Musikern anstand, ist jetzt plötzlich Pause mit Live-Spielen, muss man sich als Musiker wieder an einen ganz anderen Rhythmus (und halbwegs geregelte Arbeitszeiten) gewöhnen. Genug zu tun gibt es ja, an Langeweile liegt es also nicht, aber dennoch fehlt etwas: Ob es nun der Applaus ist, der ja bekanntlich das Brot des Künstlers darstellt, oder (meine Vermutung) vielmehr dieses mit nichts zu vergleichende Gefühl, auf einer Bühne zusammen mit anderen gleichermaßen Verrückten live Musik zu machen und mit einem Publikum zu kommunizieren - Konzerte sind ein unverzichtbarer Teil unseres Berufs, und auch wenn sich erfahrungsgemäß bestimmt in den nächsten Wochen irgendwann das Gefühl einstellen wird, dass es auch mal ganz okay ist, ein wenig Zeit am Schreibtisch und zum eigenen Üben am Instrument verbringen zu können, freue ich mich schon unbändig auf den Mai, wenn wir mit dem Milestones Project auf Tour gehen. Bis dahin ist für mich zum Glück kein kalter Entzug angesagt: Einzelne Chorauftritte erhalten mir das Live-Feeling, und vor allem habe ich heute abend das Vergnügen, gemeinsam mit der wunderbaren Michaela Schober einen hochtalentierten jungen Nachwuchskünstler bei seinem ersten Soloprogramm zu unterstützen. Toi, toi, toi, lieber Dennis Schäfer, für diesen besonderen Abend! Das wird ein Spaß!

Abwechslung ist alles

20 Februar 2015

Gestern haben wir in Solingen das für einige Zeit erstmal letzte "Hollywood Nights"-Konzert gespielt. Dieser Gig und der von letzter Woche im Bochumer RuhrCongress haben die erste geballte Tourneephase des noch jungen Jahres auf einem sehr schönen Niveau beendet: Beide Konzerte waren aus musikalischer Sicht rund und gelungen, mit Gesangssolisten in Hochform und einer bestens aufeinander eingespielten Band (danke einmal mehr an all die tollen Kolleginnen und Kollegen!), beide Abende haben auf einem sehr harmonischen und energetisch hohen Level stattgefunden und werden, denke ich, allen Beteiligten in guter Erinnerung bleiben. Von den äußeren Bedingungen her unterschieden sich die beiden Gigs dann jedoch deutlich: Während wir in Solingen in einem normal großen Stadttheater gespielt haben, hatten wir in Bochum im ausverkauften RuhrCongress (das letzte Mal, als ich in dieser Halle war, als Zuschauer, habe ich Reinhard Mey zugehört... jetzt stand ich auf denselben Bühnenbrettern... Mist, die Füße habe ich mir schon gewaschen... ;-) ) sage und schreibe rund 3200 Zuschauer, ein Vielfaches von unserem "normalen" Schnitt. Das bringt mich auf eine Frage, die uns Berufsmusikern oft gestellt wird: Ist es schöner und/oder leichter, vor großem Publikum zu spielen? Oder eher im kleineren, intimeren Rahmen? Nun, so eine große Halle, auch noch ausverkauft, flößt einem schon, auch nach x Jahren Berufserfahrung, einen gewissen Grundrespekt ein, wenn man kleinere Häuser gewöhnt ist. Da ist die Anspannung, das Lampenfieber, wenn man so will, gerne mal höher als normalerweise. Gut so, denn ich finde größere Hallen schwieriger zu bespielen, weil das Publikum anonymer, weiter weg ist und man ein entsprechend höheres Energielevel benötigt, um möglichst schnell alle Zuschauer zu erreichen. Zum Beispiel habe ich vor vielen Jahren bei einer Open Air-Veranstaltung in Düsseldorf vor geschätzt 6000 Menschen gespielt. Ein Chanson, nur zwei Sänger und ich am Klavier, nur die eine Nummer - da hatte man gar keine Zeit, eine Verbindung zum Publikum aufzubauen, das war dann eher eine lebende Wand, vor der man aufgetreten ist. Nicht zu vergleichen mit einem kleineren Haus, wo man von der Bühne aus in die Gesichter der meisten Konzertbesucher schauen, eine direkte emotionale Verbindung aufbauen kann. Mir persönlich ist das allemal lieber, vor derart überschaubarem Publikum zu spielen, was aber auch an meiner musikalischen Sozialisation im Kleinkunstbereich liegen mag. Andererseits machen so ein paar tausend Leute schon kräftig Alarm, das ist schon ein Kick, in so eine Halle rauszugehen, und ein tolles Gefühl, am Ende des Abends am Applaus zu merken, dass man offenbar doch alle erreicht hat. Wahrscheinlich wäre, wie so oft im Leben, eine ausgewogene Mischung aus beiden Extremen das Ideal. Wie auch immer - beide Konzerte bleiben mir, ich schrieb es schon, wie alle anderen Gigs, die ich in den vergangenen Wochen spielen durfte, in angenehmster Erinnerung. Und ich freue mich auf eine Fortsetzung, wann und wo auch immer!

Das war's...

10 Februar 2015

...mit Jan Ammanns Solotour "Farbenblind". Knapp zwei Jahre hat mich dieses von Andreas Luketa so liebevoll konzipierte Projekt begleitet, von den ersten Studioaufnahmen für das gleichnamige Album über das Erarbeiten der Livearrangements und den ersten Tourneeabschnitt Anfang 2014 bis zur grandiosen Wiederaufnahme in diesem Jahr. Eine tolle Zeit mit vielen lieben Menschen, die mittlerweile zu einer richtigen Tourfamilie zusammengewachsen sind, gleich ob Gesangssolisten, Band, Techniker oder Organisationsteam. Ein schönes Gefühl, mit Freunden unterwegs zu sein und abends auf der Bühne zu stehen. Elf Konzerte zwischen Hamburg und Stuttgart, Berlin und Wien, Oberhausen und Essen. Zahlreiche Momente, die in Erinnerung bleiben, Momente des Schmunzelns und Lachens, auch Schrecksekunden, wenn mal (zum Glück selten) etwas schiefging - und, ja, auch diese Momente, von denen ich schon öfter an dieser Stelle schrieb, nach denen ich jedesmal suche, auf die ich jedes Mal hoffe, wenn es auf die Bühne geht: Diese undefinierbaren Augenblicke des Glücks, wo die Zeit stillzustehen scheint, wo alles ganz im Moment schwebt, wo sich alle Einzelteile der musikalischen Darbietung zu einem größeren Ganzen verbinden, wo man die Realität loslassen kann und nur noch für genau diesen Sekundenbruchteil, diesen Augenblick existiert und in der Musik aufgeht. Gestern bei der Derniere in Berlin durfte ich dieses Gefühl gleich zweimal erleben. Dafür möchte ich mich einmal mehr bedanken: Bei Andreas Luketa fürs Ermöglichen, bei den Solisten Jan Ammann, Andreas Bieber und Michaela Schober, bei unserer wunderbaren Band (es ist mir Vergnügen und Ehre zugleich, mit Euch Musik zu machen!) und dem gesamten Team. Natürlich hat sich gestern ein wenig Melancholie eingeschlichen, nachdem wir eine so lange intensive Zeit auf dieser Reise verbringen konnten. Aber ich freue mich auf jedes neue Abenteuer, das wir gemeinsam angehen und an dem ich teilhaben darf. Die nächsten Herausforderungen warten ja schon: Viele von Euch sehe ich bereits diesen Freitag wieder, wenn wir "Hollywood Nights" im Bochumer RuhrCongress spielen - vor über 3000 Zuschauern. Auch das wird, einmal mehr, ein Fest!

Ein Zwölftel...

02 Februar 2015

...des Jahres 2015 ist schon wieder rum. Ein Monat voller positivem und negativem Stress, ein Monat, den ich gern aus meinem Kalender streichen würde, aber auch keinesfalls missen möchte. Klingt schizophren? Nö, dafür sind andere zuständig. Das Jahr begann damit, dass wir nacheinander allesamt krank geworden sind, knapp zwei Wochen lag ich flach, danach meine Frau, und das in einer Zeit, in der es nicht nur zahlreiche Auftritte und Termine zu absolvieren galt, sondern auch verschiedene Projekte dringend ihrer Fertigstellung harrten (und das teilweise noch immer tun). Dazu dann noch unschöne private Nervereien im Familienumfeld, und schwups hat man mehr Stress als man braucht, teilweise auch mehr, als man so einfach wegstecken kann. Wären da nicht die positiven Aspekte: Wunderbare Konzerte mit den Programmen "Hollywood Nights" und "Farbenblind" mit großartigen Kollegen und immer wieder einem phantastischen Publikum. Da kann man noch so geschlaucht und fix und fertig auf die Bühne gehen, diese Abende, diese spezielle Magie des Live-Konzerts ist der Grund, warum wir alle diesen Wahnsinn immer aufs Neue veranstalten; sie sind es, die uns immer wieder neu mit Energie versorgen. Ich möchte allen Weggefährten, Mitstreitern und Konzertbesuchern an dieser Stelle einmal mehr ausdrücklich dafür danken! Diesen Weg gehen, diesen Beruf ausüben und all diese Abenteuer erleben zu dürfen, nehme ich keinesfalls selbstverständlich, auch und besonders nicht in Zeiten, in denen so viele eigentlich nebensächliche Ärgernisse den Blick aufs Wesentliche zu verstellen drohen. Ein weiterer Punkt, der den Januar 2015 davor bewahrt, für immer auf die Strafbank meines Lebens verbannt zu werden, ist natürlich die Ankunft unseres neuen Familienmitglieds: Wir sind seit knapp zwei Wochen stolze Besitzer eines wunderschönen, pechschwarzen Labrador-Rüden, der unser komplettes Leben mal eben auf den Kopf gestellt und dabei zugleich unglaublich bereichert hat, schon nach so kurzer Zeit. Auch wenn sich die Uhren im Moment nicht nach Workload, Tagespensum oder Abgabeterminen richten, sondern sich alles einzig und allein um den Kleinen dreht (und der Schreibtisch halt aufgesucht wird, wenn es gerade passt): Diese Erfahrung möchte ich nie mehr missen. Bei Gelegenheit schreibe ich an dieser Stelle sicher mehr darüber, wie und weshalb wir auf den Hund gekommen sind. Eins ist zumindest schonmal beruhigend: Mit der ständigen Musikbeschallung bei uns im Haus hat er keine Probleme, er schnarcht einfach weiter. ;-)

Tour-Alltag

30 Januar 2015

Ein paar knappe Einblicke in die Abläufe an Konzerttagen: Sonntagmorgen, früh raus, auf die Autobahn, Treffpunkt mit der Band und dem Organisationsteam in Oberhausen. Um kurz vor neun rollt der Bus Richtung Süden. Ankunft in Stuttgart-Filderstadt gegen eins. Die Techniker bereiten die Bühne vor, wir Musiker warten darauf, dass wir aufbauen können. Beim Soundcheck stellen wir fest: Der Flügel muss nachgestimmt werden. Wieder warten. Dann endlich Zeit für die letzten Proben. Eine halbe Stunde vor Showbeginn runter von der Bühne, umziehen, keine Chance für Lampenfieber. Sobald die ersten Takte erklingen: Magie. Dreieinviertel Stunden Konzert, Umziehen, Abbau, Verladen des Equipments, ab auf die Autobahn, durch die Nacht Richtung Wien. Unterwegs im verschneiten und eisigen Bayern die Meldung: Der Equipment-Van ist liegengeblieben. Etwas später Entwarnung: Er rollt wieder. Schrecksekunden in der Nacht. Ankunft um sieben Uhr morgens in Wien. Ab aufs Hotelzimmer, eine Mütze Schlaf nachholen. Dann ins Theater, Instrumente und Verstärker ausladen. Neues Problem: Die Aufzüge funktionieren nicht. Alles umladen, das Equipment wird über Hubpodien von der Unterbühne aus auf die Bühne gebracht. Schon wieder im Zeitverzug. Schnell aufbauen, Sound checken, letzte Proben, wie immer. Eine halbe Stunde vor Showbeginn von der Bühne runter, umziehen, keine Zeit für Lampenfieber. Sobald die ersten Takte erklingen: Magie. Es funktioniert immer noch und immer wieder. Nach der Show Abbau, Verladen der Instrumente und diesmal die Zeit für ein letztes Glas mit den Kollegen in der Hotelbar. Am nächsten Tag Rückflug nach Hause, Vorfreude, die Familie wiederzusehen, aber auch die leise Melancholie, dass wieder zwei wundervolle Konzertabende hinter einem liegen. Gut, dass es heute im Oberhausener Ebertbad weitergeht.

Zack!

09 Januar 2015

So schnell ist schon wieder mehr als eine Woche des neuen Jahres vergangen, so schnell sind die ersten Proben absolviert, die ersten Noten geschrieben, das erste Konzert gespielt. War da eine Feiertagspause zwischen den Stressen? Gibt es das Wort 'Stress' überhaupt im Plural? Müsste man erfinden... ;-)
Die vergangene Woche war direkt mit so vielen verschiedenen Dingen und der Arbeit an so vielen unterschiedlichen Projekten angefüllt, dass ich mich manchmal wie ein Jongleur fühle, der gerade so viele Bälle in der Luft hat, wie er händeln kann. Aber noch geht's ganz gut mit dem Multitasking, das habe ich offenbar auch 2015 nicht verlernt. Was für die kommenden Wochen ein gutes Zeichen ist, denn die werden geprägt sein von den abschließenden Arbeiten an einem neuen Konzertprogramm mit dem Titel "The Milestone Project"... mehr dazu ganz bald, sobald der Vorverkauf startet. "Nebenbei" bin ich mit zwei tollen Tourneeformaten und vielen lieben Kollegen unterwegs. Gleich am Montag geht es los mit "Hollywood Nights" in Gießen, wo ich mich auf ein Wiedersehen mit allen Sängern und Musikern und natürlich dem ganzen Team freue. Diese Tourtage haben ja den schlagenden Vorteil, dass man sich dann endlich mal den ganzen Tag lang nur auf diese eine Sache, ein möglichst perfektes Konzert am Abend, konzentrieren kann und das Schreibtischchaos guten Gewissens für 24 Stunden ignorieren darf. So, get me on the road again, I wanna Rock'n'Roll!

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