Zeiten brauchen ihre Lieder

Ein Schnarchen geht durch dieses Land.
Die Parteien dilettieren sich zu Tode.
Sie fahr'n die Zukunft vor die Wand.
Heikle Themen auszusitzen ist jetzt Mode.

Wo ist dein ganzes Geld versackt,
fragst du dich und kommst nicht recht über die Runden.
Ein Banker hat es eingepackt
und ist längst damit nach Liechtenstein verschwunden.

Zeitunglesen tut schon weh,
verbittert dir den Morgentee.
Nachrichten entzünden Zorn,
und jeden Tag das Spiel von vorn.

Sag mir nicht, ich soll was Schönes singen
und die ganze Welt zum Lachen bringen.
Sag mir nicht, du magst es kantenlos und bieder.
Sag mir nicht, ich soll die Welt schön schreiben,
denn was wahr ist, muß auch Wahrheit bleiben.
Auch wenn's unbequem ist, immer wieder:
Alle Zeiten brauchen ihre Lieder.

Die Dummen werden immer mehr,
das zu ändern, sind die Schulen längst zu müde.
Der Perspektivenschrank ist leer,
da wird mancher lieber grenzdebil und rüde.

Die Bomben fallen immer noch,
irgendwo marschieren stets die tumben Horden.
In manchem fernen Wüstenloch
kriegt man für das Massakrieren einen Orden.

Niemand steht mehr auf und schreit
für etwas mehr Gerechtigkeit.
Lieber wird man ruhiggestellt,
was kümmert mich denn schon die Welt?

Sag mir nicht…

Es herrscht Glatteis in den Köpfen,
die Vernunft ist zugefror'n,
es schneit auf den kränkelnden Menschenverstand.
Dauerfrost liegt über Seelen
und was taut, vereist von vorn.
Der Winter hat uns fest in seiner Hand.
Es ist kalt in diesem uns'rem Land.

Drum sag mir nicht…

Text & Musik: Mario Stork © 2011 by Mario Stork