Die Wünstler

Ich habe hier ein tolles Bild gemalt,
für das ihr gut und gern zweitausend zahlt.
Ein bißchen schwarze Farbe, verwirrt und ohne Plan:
Fertig ist "Dunkle Aura Elfeinhalb",
ein Meisterwerk in meinem Schaffenswahn.

Ich stelle Stelen her aus Styropor,
und jede sieht so aus wie die davor.
Skulpturenserien sind doch immer wieder toll!
Fertig sind "Stele eins bis hundertvier",
begreift auch wieder keiner, was das soll.

Kunst kommt von Können,
ich kann nicht, doch ich will.
Mein Ego ist gewaltig,
mein Auftritt laut und schrill.
Hab ich was fabriziert,
was keiner mehr kapiert,
und sind die Kunstexperten weg und hin,
dann hat mein Leben wieder einen Sinn,
weil ich ein Wünstler bin,
weil ich ein Wünstler bin.

Ich schreibe Lyrik, Prosa, Poesie,
das Sprachsezieren als Philosophie,
denn hinter der Semantik verstecken wir den Sinn.
Fertig ist "Drohend dräut das Dromedar",
wofür ich nobelpreisverdächtig bin.

Ich bin der größte Komponist,
Erneuerer, Avantgardist,
ich würfel mir mein Werk zurecht,
beim Hören wird selbst mir schon schlecht.
Ich bin erst zufrieden mit meinem Unterfangen,
fühlt das Publikum sich verarscht und hintergangen.
Auch wenn ich keine Noten schreiben kann,
Hauptsache ist, es hört sich scheiße an!

Kunst kommt von Können...

Text & Musik: Mario Stork © 2005 by Mario Stork