Ballade von Aufstieg und Fall des Willi Ottke

Willi fing einmal ganz klein als Biologe an.
Im Schuldienst merkte er, daß er das doch nicht wirklich kann.
Seine Sprüche waren höchstens gut fürs Phrasenschwein,
aber irgendwo da draußen muß der Job für's Leben sein!

Willi schlug sich durch und lernte erstmal Taxifahr'n,
trug Briefe aus und kellnerte, fing an, sein Geld zu spar'n,
kaufte sich dann einen Anzug, zog sein Grinsen auf:
"Liebe Leute, jetzt zieh' ich ins Rathaus ein im Dauerlauf!"

Jaja, die Politik ist so ein schönes Spiel.
Man lügt und schleimt sich hoch mit Taktik und Kalkül.
Man macht sich hier nicht krumm,
denn das Volk ist ja so schön dumm.
Jaja, die Politik ist doch der schönste Sport.
Fairplay ist dabei nur ein dummes, leeres Wort.
Wer hier noch ehrlich spielt, der hat die Regeln nicht kapiert
und wird nie derjen'ge sein, der regiert.

Willi fand sich schnell zurecht in dieser neuen Welt,
wo alles möglich ist, hat man Kontakte, hat man Geld.
Schnell durchlaufen die Stationen für den Amateur:
Aktenordner, Kaffeekocher, Redenschreiber und Claqeur.

Willi fand sich plötzlich wieder auf 'nem Wahlplakat.
Hier war seine Berufung: Bürgermeisterkandidat.
Und er kam, er log, er siegte und regierte dumm,
schon beim ersten Windstoß fiel sein neu gebautes Rathaus um.

Jaja, die Politik ist so ein schönes Spiel, mmmmm...

Willi merkte, dies Malheur bekam ihm gar nicht gut,
denn bei völligem Unvermögen kriegen Wähler Wut.
Also schmissen sie ihn hochkant raus beim nächsten Mal
und ganz öffentlich beweinte Willi die verlor'ne Wahl.

Willi war jedoch nicht allzu lange arbeitslos,
schon bei der nächsten Landtagswahl, da grinste Willi bloß,
und schon war er zum Minister für Verkehr ernannt,
und vom Schreibtisch überzog er nun mit Staus das ganze Land.
Drum merke wohl: Das Volk kann abwähl'n, wenn es mag,
er landet doch in Kanzleramt und Bundestag.

Jaja, die Politik…

Text & Musik: Mario Stork © 2007 by Mario Stork