American Dream

Aufgewachsen in den Slums von Guatemala
ist José an Hunger, Schmerz und Krieg gewöhnt.
Seine Eltern sind vor Jahren schon gestorben,
keine Schulter mehr, an die ein Kind sich lehnt.
Im Waisenheim findet er Zuflucht,
geht zur Schule, lernt und lernt,
macht als Bester seinen Abschluß,
das Glück nur ein paar Meilen weit entfernt.

Komm, José, du schaffst das schon,
deine Freiheit ist der Lohn,
geh ins Land der unbegrenzten Phantasien.
Geh deinen Weg, hab keine Angst,
dort gibt es, was du auch verlangst,
dein American Dream läßt dich weiterziehen.

Und er macht sich auf den schweren Weg in die Ferne,
über Grenzen und durch kriegsversehrtes Land.
Gut fünftausend Kilometer, immer weiter,
nur ein kleines Kleiderbündel in der Hand.
Und in Amerika gelandet,
findet er endlich Asyl.
Und er weiß: Dies ist die Freiheit,
er ist an seinem lang erträumten Ziel.

Ja, José, du hast's geschafft,
nur der Traum gab dir die Kraft,
deine Horizonte immer zu erweitern.
In diesem weiten, freien Land
ist jeder Hunger unbekannt.
Dein American Dream läßt dich niemals scheitern.

Und für sein neues Vaterland
nimmt er die Waffe in die Hand,
um die Freiheit auch in den Irak zu bringen.
Zweiundzwanzig Jahre, als er fällt,
in einem Sarg kommt er dann heim als Held,
während Anzugträger fromm Choräle singen.

Nun, José, hast du erkannt,
dort im heißen Wüstensand
hat Amerika den Traum und dich belogen.
Für irgendein verqueres Ziel
sind ein paar Leichen nie zuviel.
Dein American Dream hat zuletzt getrogen.

Text & Musik: Mario Stork © 2005 by Mario Stork