Am Grab eines Freundes

Ich weiß, ich war vielleicht schon viel zu lange nicht mehr hier.
Ich brauche zum Erinnern keinen Stein.
Die Zeit ist unbeständig wie ein Schiffchen aus Papier.
Man treibt so mit und bleibt dabei allein.
Ach, weißt du, all die Jahre hast du hier nicht viel versäumt.
Die Welt bleibt doch im Wandel immer gleich.
So mancher Wirtschaftstraum ist mittlerweile ausgeträumt,
doch immer bleiben stets Dieselben reich.

Das Spielgeld, auf das dieser Kontinent so sehr gebaut,
treibt manches Land noch ganz in den Ruin.
Wenn keiner mehr den Bankern und Politikern vertraut,
muss man die Lügner vor den Kadi zieh'n.
Du weißt, uns war schon damals irgendwo tief drinnen klar,
wir bräuchten statt Reform Revolution.
Sind nicht einmal die eig'nen Überzeugungen noch wahr,
ist bald für Illusionen Endstation.

Alles schwebt ohne Plan.
Doch man lebt so gut man kann.
Und es geht immer weiter, irgendwie schafft man es doch.
Du hast hier zwar nichts versäumt, doch du fehlst immer noch.

Die Ungerechtigkeit, die wir so haßten, ist nicht weg,
im Gegenteil, sie feiert manchen Sieg.
Und immer noch verrecken Menschen elendig im Dreck,
denn immer noch spiel'n Schreibtischmachos Krieg.
Und gibt es mal den Willen, es mit Frieden zu probier'n,
sprengt sich sofort ein Irrer in die Luft,
um alle, die nicht seines Glaubens sind, auszuradier'n.
So baut man seinen Göttern eine Gruft.

Alles treibt ohne Sinn.
Und was bleibt? Wahn und Gewinn.
Doch man geht immer weiter, und man arrangiert sich doch.
Du hast wirklich nichts versäumt, doch du fehlst immer noch.

Du siehst, es läuft im Grunde noch genauso auf der Welt.
Man ist nicht, wer man ist, nur was man hat.
Dass Menschen sich den Kopf einschlagen für Profit und Geld,
das hatten wir schon damals gründlich satt.
Du siehst, es gibt im Grunde nichts Besond'res zu erzähl'n.
Ich mach mich dann mal wieder auf den Weg.
Ich hoffe, ich kann dereinst schön're Lieder für dich wähl'n,
wenn ich auch die Gitarre niederleg.

Text & Musik: Mario Stork © 2011 by Mario Stork